Bibelzentrum Barth

Bibelzentrum Jubiläums-Schatzkiste

Die “Alte Kirche” in Barth (Mitte der 60er-Jahre)

Eine Erinnerungsschatzkiste für das Bibelzentrum Barth zum 20. Geburtstag

Große Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. Auch ein runder Bibelzentrumsgeburtstag will wohl überlegt und geplant sein! Und wenn man so in illustrer Runde sitzt und plant und überlegt, wie dieser Anlass würdig begangen werden könnte – dann fällt einem erst mal auf, wie viel Geschichte (und Vorgeschichte!) so ein Bibelzentrum hat. Wie viele Erinnerungen sich mit diesem Haus verbinden, ältere und neuere, mehr oder weniger erfreuliche, aufregende und alltägliche. Nach zwanzig Jahren merkt man auch, dass manche dieser Erinnerungen etwas fadenscheinig geworden ist: Wie war das noch gleich vor all den Jahren? Die Bilder, die mir noch so lebendig vor Augen stehen, gehören die zu einer bestimmten Veranstaltung oder zu einer ganz anderen? Ob die Leute, die jetzt im Bibelzentrum zugange sind, als Gäste oder im Team, überhaupt wissen, wie all das entstanden ist, welche Vorgeschichte bestimmte Ausstellungsstücke, Räume, Ideen haben?

Das Bibelzentrum kommt nun also in das Alter, wo man sich bewusst erinnert, damit Geschichte und Geschichten nicht verlorengehen. Wo man merkt, dass Erinnerungen kostbar sind und so ein Schatz auch eine geeignete Form der Aufbewahrung braucht.

Darum haben wir dem Bibelzentrum zum 20. Geburtstag eine Schatzkiste gepackt. Eine digitale. Zusätzlich zu einem Jubiläumsband in Papierform, der in der beliebten Reihe „LandeBarth“ erscheint. Das kundige Auge wird schnell entdecken, dass beide Schatzkisten, die digitale und die analoge, in Beziehung zueinander stehen. Beide haben ihren je eigenen Wert und sind angefüllt mit wertvollen Geschichten, Informationen, Erlebnissen.

Wenn Sie diese Zeilen lesen, dann ist die „papierne Schatzkiste“, der Jubiläumsband, schon erschienen: wohlgefüllt mit wissenschaftlichen Fachbeiträgen, regionaler Zeitgeschichte, persönlichen Erinnerungen und vielen bunten, lebendigen Bildern.

Während der Jubiläumsband nun fertig und abgeschlossen auf Nachtkästchen oder Lesetischchen liegt oder auch im Regal steht, hat nun auch die Stunde der digitalen Schatzkiste geschlagen. Die kann nämlich auch manches, was ein Buch nicht so gut kann: Filme und Tondokumente wiedergeben, beispielsweise. Oder weiter wachsen, wenn neue Beiträge hinzukommen. Dazu seid Ihr, liebe Leserinnen und Leser, herzlich eingeladen: auch Eure Bilder, Erinnerungen, digitalfähige Kunstwerke aller Art beizusteuern und sie mit in diese Schatzkiste zu packen (an info@bibelzentrum-barth.de). Wir sind gespannt!

Viel Freude mit dieser Schatzkiste, fröhliches Kramen und Entdecken! Und auf viele weitere Jahre mit dem analogen und digitalen Bibelzentrum!

Nicole Chibici-Revneanu

 

Das Bibelzentrum in Barth (Aufnahme im Jahr des 20. Geburtstages).

Annemargret Pilgrim, Pastorin in Barth 1995 bis 2016

Als ich im Sommer 1995 als Superintendentin des Kirchenkreises Barth und Pastorin der Barther Kirchengemeinde mit meiner Familie nach Barth zog, existierte dort bereits ein Provisorischer Beirat, der sich mit dem Aufbau eines Bibelzentrums beschäftigte und zwei Mal im Jahr tagte. Die Idee eines solchen wurde 1988 auf einem wissenschaftlichen Symposion in Zingst geboren, weil die „Barther Bibel“ aus der Barther Kirchenbibliothek 400 Jahre alt wurde. Initiiert war dieses Symposion von der Greifswalder Landeskirche in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Haupt-Bibelgesellschaft Berlin (EHBG). Dem 1992 ins Leben gerufenen Provisorischen Beirat gehörten neben Vertretern der Landeskirche und der EHBG die Plattdeutschen an, Vertreter der Mecklenburgischen Landeskirche, der katholischen und der freikirchlichen Gemeinde in Barth, der Greifswalder Uni, der Landesregierung MV und der Stadtverwaltung Barth. Und natürlich die Barther Pastoren für die Ev. Kirchengemeinde. Das waren 1995 Eckhard Kunsch und nun ich. Als ständige Gäste waren vertreten der Landkreis, der Heimatverein, das Vineta-Museum, das BQB (Barther Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft) und verschiedene Einzelgäste.

Schon bald wurde ich um den Vorsitz des Beirates gebeten, aus dem am 28. Juni 2000 aus einem provisorischen ein ordentlicher Beirat wurde. Gleichzeitig wurde ich von Seiten der Pommerschen Landeskirche als Delegierte in das Direktorium der EHBG (s.o.) nach Berlin entsandt, das das Anliegen der Errichtung eines Bibelzentrums in Pommern sehr unterstützte.

Zunächst wurde der Ort für ein solches Zentrum diskutiert. Das Einziehen von Zwischenböden in einer der beiden Turmseitenhallen in der Marienkiche war bereits wieder verworfen worden. Dann hatte Pfarrer Kunsch die Idee, die verfallende alte Kirche, das Hospital St. Georg, dafür zu nutzen und auszubauen. Es stand seit Jahren leer und verfiel zusehends. Die Idee setzte sich durch. Ein Nutzungskonzept, eine Bauplanung und darauf basierend ein Finanzierungsplan wurden in verschiedenen Ausschüssen erarbeitet. Um bei der Gewinnung von Fördermitteln zu helfen, stellte ein Religionslehrer aus der Barther Gemeinde, der noch keine Anstellung hatte, Andreas Behling, in unserem Auftrag einen Antrag in der Rubrik „Dach und Fach“ beim Land Mecklenburg-Vorpommern und hatte damit Erfolg. Zuvor hatte Pfarrer Kunsch einen Brief in dieser Sache an das Land geschrieben. Die ersten Fördermittel flossen.

Am 30. Oktober 1998 war es dann so weit: Wir feierten den offiziellen Baubeginn des Bibelzentrums St. Jürgen. Ich erinnere mich an die Andacht in der ruinösen Kapelle: Der Posaunenchor blies, ich hielt eine Ansprache und konnte es nicht fassen, dass sich in der Kapelle die Menschen drängten. Sogar eine Rollstuhlfahrerin war dabei. Vor dem Gebäude war ein Getränkewagen aufgebaut. So konnten wir gemeinsam auf den Beginn und den guten Verlauf der Errichtung des Bibelzentrums anstoßen und viele Gespräche führen. Bauherrin war die Kirchengemeinde, die das Grundstück zur Verfügung stellte und Eigentümerin des Gebäudes ist, Trägerin war die EHBG, die Anteile der Haustechnik und später die Ausstellung finanzierte.

Vom 17. bis 20. Mai 1999 veranstalteten wir, organisiert von Landeskatechet Johannes Pilgrim und der EHBG-Mitarbeiterin Pfarrerin Petra Birke und unterstützt durch den Beirat, im Ev. Gemeindehaus in der Papenstraße ein 2. Internationales Bibel-Symposion, um eine breite Fachwelt für unser Projekt zu gewinnen.

Während des gesamten Baugeschehens hielt uns die Finanzierung in Atem, die eigentlich zu keinem Zeitpunkt gesichert war, weil jeder Bauabschnitt teurer wurde als veranschlagt. Die versprochene finanzielle Unterstützung durch die Landeskirche wurde sehr gekürzt. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit dem damals neuen Bischof Dr. Abromeit im Konsistorium, der zu mir sagte: „Und sie als Gemeindepastorin verantworten mal so eben ein Millionenprojekt in Barth? Was ist mit den Fachleuten der Landeskirche?“ Nichtsdestotrotz machte der Aufbau eines Bibelzentrums weitere Fortschritte, Fördermittel der Kirchen, des Landes und des Bundes flossen. Zusammen mit Ekkehard Runge, dem damaligen Direktor der EHBG, reiste ich Anfang des Jahres 2000 nach Brüssel, um auch eine europäische Unterstützung für das Projekt zu erlangen.

Im Mai 2000 konstituierte sich die Programmgruppe, um eine Ausstellungskonzeption zu erarbeiten.

Annemargret Pilgrim.

Im Juli desselben Jahres veranstalteten Johannes Pilgrim und ich mit dem damaligen Vikar Bernd Magedanz und der Katechetin Astrid Reiff ein Internationales Jugendworkcamp im Pfarrgarten, zur Unterstützung des Aufbaus des Bibelzentrums. Die Jugendlichen schippten 1,20 Meter tiefe Gas- und Wasserleitungsgräben, unterstützt von Archäologen. Aber auch in der Freizeit unternahmen wir viel Schönes und Interessantes gemeinsam mit den Jugendlichen. – Im August 2001 führten wir ein zweites Jugendworkcamp durch, in dem es besonders um die Außenanlage ging. Auch im Juli 2002 gab es ein solches, zusammen mit Wolgaster Jugendlichen. Höhepunkt war dort eine Performance zum „Klangbuch Bibel“.

Jugendworkcamp im August 2001

Workcamp im Juli 2002.

Zum Reformationsfest 2001, am 31.Oktober, feierten wir unter Mitwirkung zahlreicher Mitstreiter und Gäste die Eröffnung des Bibelzentrums um 16 Uhr mit einem Festgottesdienst in der St. Marienkirche, gekoppelt mit dem Jahresempfang der beiden Landeskirchen in MV für das Bundesland. Anschließend wurde die niederdeutsche Barther Bibel von 1588 in einer Prozession feierlich von der Marienkirche durch die Innenstadt ins Bibelzentrum getragen, wo der Festakt stattfand.

An den Tagen zuvor und auch am 31.10. noch putzten wir, eine Gruppe Ehrenamtlicher aus der Gemeinde zusammen mit einigen Hauptamtlichen, die Räume des Bibelzentrums und richteten Rezeption und Shop ein.

Vikar Magedanz und ich hatten zwei Tage zuvor stundenlang den gesamten Bestand der Bücher des Reformators Johannes Block aus unserer Kirchen-Bibliothek herausgesucht, der als Dauerleihgabe an das Bibelzentrum bestimmt war, und am 30.10. transportierten wir mit 9 Mitarbeitenden diese Bücher ins Bibelzentrum und räumten sie in die dafür vorgesehenen Regale ein.

Am 4. November wurde die von der EHBG bestallte Leiterin, Pfarrerin Cornelia von Uckro, wiederum in einem festlichen Gottesdienst in St. Marien eingeführt, und im Anschluss die St. Jürgen-Kapelle wieder eingeweiht.

Das für die konzeptionelle Arbeit notwendige Seminargebäude wurde nun baulich in Angriff genommen, nachdem die Planung durch den begleitenden Architekten Karl-Heinz Wegener abgeschlossen war. Am 21. Juni 2002 schon erfolgte die Grundsteinlegung. Leider mussten wir im Herbst einen Baustopp verhängen, da die Finanzierung für das geplante Gebäude nicht auskömmlich war. Wir planten um, und das Seminargebäude wurde etwas anders und auch kleiner. Am 12. Juni 2003 konnten wir Richtfest feiern, nachdem die meisten finanziellen Hürden beseitigt waren.

Am 10. Januar 2004 stellten wir unter lebhafter Beteiligung der Öffentlichkeit (150 Leute) das fertige Seminargebäude in Dienst. Dabei startete ich einen Spendenaufruf zur Finanzierung der 100 Stühle im Saal, von denen einer 98 Euro kostete. 4.600 Euro kamen an diesem Tag zusammen. Ein Namensschild am jeweiligen Stuhl weist dankbar auf den Spender/die Spenderin hin.

Im Mai des Jahres erfolgte die Abnahme der Außenanlagen.

Leider stand die EHBG im Jahr 2003 vor einer drohenden Insolvenz, sodass sie die Trägerschaft des Bibelzentrums Ende 2004 abgeben musste. Was war zu tun? OKR Moderow übernahm die Überwachung der Bau-Finanzen und bescherte mir und meinem Mann Johannes Pilgrim manch schlaflose Nacht.

Die zuständige Superintendentin Helga Ruch, der damalige Bürgermeister von Barth Mathias Löttge, der damalige zuständige Konsistorialrat Hans-Ulrich Keßler, der für Kirchenfragen zuständige damalige Ministerialrat Ulrich Hojczyk, meine Wenigkeit als Vertreterin der örtlichen Kirchengemeinde und zwei weitere Personen gründeten am 20. Oktober 2004 einen neuen Trägerverein, die Pommersche Bibelgesellschaft e.V..

Mit der Bildung der Ev.-lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), die durch die Zusammenlegung von drei westlichen und zwei östlichen Landeskirchen entstand, ging die Trägerschaft des Bibelzentrums 2012 in die Nordkirche über.

Im Jahr 2013 gelang der Zusammenschluss mit der Mecklenburgischen Bibelgesellschaft zur Mecklenburgischen und Pommerschen Bibelgesellschaft e.V.

Dass das Bibelzentrum mit all seinen Facetten so eine Erfolgsgeschichte wurde – wer hätte das in der schwierigen Aufbauphase zu hoffen gewagt?

Ich gratuliere zum 20. Geburtstag und wünsche dem Bibelzentrum noch viele erfüllte Jahre! Und viel Lebendigkeit und Ideenreichtum allen, die in ihm arbeiten, dass alle, die es besuchen, zum Nachdenken über die Aussagen der Bibel für ihr Leben und Reflektieren ihres Glaubens angeregt werden.

Im September 1976 trat ich meine Stelle als Gemeindediakonin in der Evangelischen Kirchengemeinde St. Marien in Barth an.

Die Gemeinde stellte mir als Dienstwohnung eine kleine Zweiraumwohnung in St. Crucis, Sundische Straße 36, zur Verfügung. Dort wohnte aber noch meine Vorgängerin. Sie hatte geheiratet und wollte zu ihrem Mann ziehen. Aber sie konnte keinen Umzugstransport bekommen. Ich hatte meine vorige Stelle gekündigt und alle meine Sachen waren in zwei Bahncontainern unterwegs nach Barth.

Wo konnte ich nun so lange bleiben, bis die Wohnung frei wurde? Da wurde für einige Wochen die Alte Kirche St. Jürgen, Sundische Straße 52, mein Zuhause. Ich zog in die beiden Räume links vor der Kapelle ein. Die Räume waren nicht miteinander verbunden, d.h. ich musste immer über den Hausflur von einem in den anderen Raum gehen. Die Bahncontainer kamen an und ich musste sie auspacken. Da es klar war, dass ich nur übergangsweise in der Alten Kirchen wohnen würde, stellte ich nur Bett, Tisch und Stühle auf und packte nur die unbedingt notwendigen Sachen aus. So lebte ich dort ziemlich ungemütlich zwischen Kisten und Kasten. Ich musste mich in einer Schüssel im Zimmer waschen. Der Wasserhahn und der Ausguss für das Schmutzwasser für alle Bewohner/-innen waren auf dem gemeinsamen Flur, der von einer schwachen Glühbirne kaum beleuchtet wurde. Das Wasser erhitzte ich mit dem Tauchsieder in einem 2-Litergefäß. Das musste zur Körperpflege reichen. Das Klo war ein Plumpsklo im Garten: ein Doppelsitzer mit Aschenbecher. Dieses Klo wurde von allen Bewohner/-innen benutzt. Deshalb musste die eigene Klopapierrolle deutlich beschriftet sein (Klopapier gab es nicht immer ausreichend zu kaufen) oder ich musste bei jedem Klogang daran denken, sie mitzunehmen. Eine echte Herausforderung!

Die beiden Ausstellungsräume des Bibelzentrums waren dereinst die Wohnräume der Autorin.

Ich war in der Alten Kirche die einzige junge Frau, die dort mit mehreren alten Leuten im Erdgeschoss wohnte. Im Obergeschoss wohnte die dreiköpfige Familie M. Herr M. arbeitete als „Kuhlengräber“ auf dem Barther Friedhof. Ein Job, der ihn häufig zum Alkoholtrinken verleitete. Kam er betrunken nach Hause, polterte er durch das Haus, fiel auch mal auf der Treppe und fluchte laut. Dagegen half auch nicht, dass ich mein Radio anschaltete.

Blick vom Flur zur Kapelle (Aufnahme von 1991). Linkerhand ging es zu den Wohnkammern von Gabriele Bindemann.

Irgendwie musste ich mich auf meinen Dienst in der Kirchengemeinde vorbereiten. Das war recht schwierig unter diesen Voraussetzungen. Da „die Neue“ genau beobachtet wurde, war dies eine echte Herausforderung. Glücklicherweise hatte ich schon etwas Berufserfahrung und genaue Aufzeichnungen von Christenlehrestunden. Die konnte ich nun aus einem Karton fischen, an die Zielgruppen anpassen und loslegen.

Da ich in der ungemütlichen Umgebung kaum Möglichkeiten zur Freizeitbeschäftigung hatte, ging ich früh mit einem (geliehenen) Buch zu Bett, nachdem die Haustür mit dem großen Kirchenschlüssel verschlossen war.

Ich war sehr froh, als meine Vorgängerin ihren Umzug organisieren konnte und die richtige Dienstwohnung damit für mich frei wurde. Nachdem alle ihre Sachen eingeladen waren, halfen sie und ihr Mann mir, meine Sachen mithilfe eines geliehenen Handwagens von der Alten Kirche, Sundische Str. 52, in die nur wenige Meter entfernt gelegene Wohnung Sundische Str. 36 zu bringen. Ich zog also jetzt in eine Wohnung ein, die für mich nicht renoviert wurde. Aber immerhin hatte ich dort ein Waschbecken in der Küche. Der Gang zum Klo führte noch viele Jahre über eine unbeleuchtete Treppe mit sieben Stufen in den Garten zum gemeinsamen Plumpsklo. Mit der Klopapierrolle hatte ich nun schon Erfahrungen.

Endlich konnte ich meine Kartons auspacken. Dabei musste ich leider feststellen, dass wahrscheinlich ein Container beim Laden fallen gelassen oder unsanft aufgestellt worden war, denn mein schönes Bollhagengeschirr war in Scherben. Mittlerweile war es zu spät für eine Reklamation. Das traf mich hart, denn mein Gehalt war damals schmal und Geschirr teuer.

Ich war 18 Jahre als Gemeindediakonin und Katechetin in Barth tätig. Während dieser Zeit erlebte ich Gottesdienste und Konzerte in der Kapelle der Alten Kirche. Regelmäßig war einmal im Monat dort Gottesdienst.

Besonders in Erinnerung ist mir der Gottesdienst am Heiligen Abend am frühen Nachmittag, der von älteren Leuten gern besucht wurde und in dem immer der Barther Kirchenchor sang.

Der bauliche Zustand der Alten Kirche verschlechterte sich leider immer mehr. Umso erfreulicher, dass es nach der Wende eine völlig neue Perspektive für das Gebäude gab. Heute ist dort das Bibelzentrum zu Hause. Die ersten Überlegungen für ein neues Konzept erlebte ich in Barth noch mit. 1994 wechselte ich meine Arbeitsstelle und ging nach Berlin zum Berliner Missionswerk. Dort wurde ich in den Beirat der v.Cansteinschen Bibelanstalt berufen. So konnte ich in den Sitzungen des Beirates die Entwicklung der Alten Kirche zum Bibelzentrum von dort aus verfolgen.

Zur Einweihung wurde ich eingeladen und ging an der Seite von Kirchenpräsident Helge Klassohn (von der Evangelischen Landeskirche Anhalts) durch die Straßen der Stadt Barth von der St. Marienkirche zur Alten Kirche, wohin die berühmte Barther Bibel an ihren neuen Ausstellungsort gebracht wurde.

Wie schön, dass das Bibelzentrum heute ein attraktives Haus ist!

Vom Monat Mai 1975 an war ich als Pfarrer in Barth tätig, in der Pfarrstelle II der Kirchengemeinde Sankt Marien Barth. Damals lebten in der Stadt Barth etwa 12 500 Menschen. Am 1. Juni 1975 hielt ich meinen ersten Gottesdienst 15 Uhr in der „Alten Kirche“ in der Sundischen Straße. Mit der „Alten Kirche“ war natürlich das Kirchengebäude am Hospital Sankt Jürgen beziehungsweise Sankt Georg gemeint. In den Schaukästen der Kirchengemeinde standen damals neben den Gottesdiensten in Sankt Marien die Gottesdienste in der „Alten Kirche“ und in einem Gemeinderaum in Barth-West (Siedlung).

Die Namen der Barther Hospitäler und ihrer Gründungen seien hier kurz erwähnt: St. Georg 1307, St. Spiritus 1309, St. Gertrud 1444, dazu die Kapelle „Heilig Kreuz“ 1481. Die Einwohnerzahlen nahmen zu und damit auch die Zahl der Kranken, die Hospitäler übernahmen immer wieder die Pflege und die Beherbergung der Armen.

Im Jahre 1975 waren alle Wohnungen im Hospitalgebäude St. Jürgen bewohnt. Die schlichten Zimmer waren beliebt, denn zu den Wohnungen gehörte ein Stück Garten an der Südseite des Gebäudes. An größere Renovierungen war nicht zu denken. Nur einmal kam Hilfe vom Rat der Stadt, als bei einem heftigen Orkan die hohen Schornsteine am Hospital mit aller Wucht auf das Dach stürzten. Eine Baufirma konnte die Schäden schnell beheben, sodass die Öfen wieder beheizt werden konnten. Doch nach Jahren wurde das Wohnen im Hospital aufgegeben, da sich nach 1990 die Wohnsituation innerhalb der Stadt veränderte. So zog schließlich der letzte Bewohner, ein Friedhofsmitarbeiter, aus, und das leere Haus geriet in Gefahr, mutwillig zerstört zu werden. Wir beauftragten eine Baufirma, die Fenster im Hospital zuzumauern und mit Luftschlitzen zu versehen.

Eckhard Kunsch im Bibelzentrum (2019)

Was sollten wir aber mit der „Alten Kirche“ und dem Hospitalgebäude machen?

Wir berieten darüber im Gemeindekirchenrat, mit den Baubeauftragten im Greifswalder Konsistorium. Es gab auch Stimmen in Barth, das marode Gebäude abzureißen; jemand wollte eine Ökosiedlung daraus machen; von der Thüringer Kirche kamen aus Eisenach „Kirchenräte“, die Interesse an einem „Ferienheim“ zeigten, sich aber nicht wieder meldeten; schließlich kam ein Unternehmer aus Hamburg oder auch Berlin, er kam in die Papenstraße und unterbreitete seine Pläne. Er wollte ein kleines, aber feines Hotel daraus machen, und als wir vorsichtig nach den Finanzen fragten, mit denen er das bewerkstelligen wollte, kam die Antwort: „Natürlich mit Fördermitteln!“. Da entfuhr mir der Satz: „Dann können wir das ja auch als Kirche versuchen!“ Es begann ein langer Weg bis zu einem Haus für die Bibel.

In meinem Kalender steht am 8. März 1994: 9.30 Uhr Alte Kirche, Denkmalpflege! Es tut sich etwas! Dann kam der 5. August 1994 mit der Besichtigung von Sankt Jürgen. Nach der Öffnung der Tür zum Hospital umfing uns Finsternis, da die Fenster zugemauert waren, doch es gab Lichtquellen mit Taschenlampen. An dem historischen Treffen nahmen teil: Dr. Meurer, Stuttgart, Vorsitzender der Bibelgesellschaften in Deutschland; Präsident Harder, Greifswald; Direktor Ekkehard Runge, Berlin, Bibelgesellschaft; Dr. Winands, Denkmalpflege Stralsund; Thomas Papst, Barth, Verwaltungsleiter; Eckhard Kunsch, Barth, Pfarrer.

Das Ergebnis der Besichtigung war von Ernüchterung geprägt. „Was soll hier noch gemacht werden?“ Dr. Winands von der Denkmalpflege Stralsund äußerte dazu dem Sinne nach: „Hier ist noch die ganze Substanz vorhanden! Wir haben schon Gebäude gerettet und saniert, wo nur einige Wände noch standen!“

Und heute schreiben wir das Jahr 2016!

Das Niederdeutsche Bibelzentrum Sankt Jürgen ist in Barth angekommen! Hier ist etwas gewachsen, das wohl niemand von uns so erwartet hat. In Jahren ist ein Gelände, das seit 1307 zum Hospital Sankt Jürgen gehört, zu neuem Leben gekommen! Dank an alle Menschen, die hier gebaut, geholfen, gebetet, gehofft, sich gekümmert und gespendet haben. Mit vielen neuen Ideen, Veranstaltungen, Gesprächsstunden mit Menschen aus verschiedenen Berufen, hier sind die Türen weit geöffnet, im Bildungshaus bzw. Tagungshaus, in der Kapelle, in den Ausstellungsräumen bis zum Dachboden!

Ich komme nicht umhin, an Johannes Block zu erinnern. Block stammte aus Stolp, er war Geistlicher im Camminer Gebiet, ab 1512 ist er in Danzig, ab 1514 wirkt er in Dorpat (Estland). Weiter ging es nach Finnland, nach Wiburg als Schlossprediger. Mit einem schwedischen Reisepass, ausgefertigt in Stockholm, kam er nach langer, gefährlicher Reise nach Barth. Sein Handwerkszeug brachte er mit. Das waren seine vielen Bücher (ca. 150 Bände), die er in Barth gelassen hat. Er hielt 1533 auf dem Sankt Georgskirchhof die erste evangelische Predigt und ist ab 1535 als Pastor in der Barther Stadtkirche tätig. Er starb 1545 in Barth. Sein Weg hatte ihn von Pommern über die baltischen Länder bis nach Schwedisch-Finnland gebracht, überall tätig in der Sache des Evangeliums und der Reformation. Diesen weiten Weg zurück nach Pommern, nun bis nach Barth. Vor den Toren der Stadt stand das Hospital. Dort bei den Kranken und Armen sprach er wohl von der Liebe und Barmherzigkeit Gottes, die uns in seinem Sohn Jesus Christus erschienen ist. Noch manches Jahr war er an Sankt Marien tätig, doch sein Augenlicht wurde schwächer, aber er hatte die Durchsicht bekommen, die Augen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Ich sehe in Gedanken sein Bildnis von der alten Kanzel in St. Marien: der alte Mann, der Priester, der Pastor. Wanderer durch den Nord-Osten Europas, Glück und Elend der Zeiten, Ende von Zeiten und Neubeginn. Dieses Haus St. Jürgen durfte einen Neubeginn erleben, mit seinem Herzstück, die Barther Bibel von 1588, „ein Haus für ein Buch“!

In der Schatzkisten-Rubrik “Zeitzeugen im Filminterview” finden Sie auch ein Video mit Interviewpassagen von Eckard Kunsch.

Ich habe seit meiner Geburt im Jahr 1956 bis 1978 in der Sundischen Straße 48 gewohnt.

Das Haus war nur durch ein weiteres von der Alten Kirche getrennt. Den Ausdruck Alte Kirche (richtig muss es St. Georg heißen) habe ich eigentlich immer benutzt, weil meine Eltern und auch die Nachbarn es so sagten. Es war eigentlich eine schöne unbeschwerte Kindheit, Spielplatz war unter anderem die Nachbarschaft. Alle Häuser auf „meiner“ Straßenseite hatten nach hinten raus, also zum Schwarzen Gang hin, recht große Gärten. Auch an der Alten Kirche war einer, mit einem einfachen Zaun, es gab dort Stachelbeeren, Äpfel, Birnen und Erdbeeren. Einiges hat geschmeckt, anderes nicht – wurde aber trotzdem probiert. Aber noch interessanter waren Katzenköpfe aus Blech, die dort an den Sträuchern mit Draht aufgehängt waren und im Wind hin und her schaukelten. Die Augen waren eingesetzte Murmeln aus Glas. Sie sollten Vögel abschrecken, an das Obst zu gehen – aber eben nur Vögel, keine Menschen. Die Glasmurmeln konnten Kinder auch brauchen, denn zu der Zeit wurde das Murmelspiel noch aktiv betrieben.

Die “Alte Kirche” (fotografiert in den 60er-Jahren)

Am Heiligen Abend gingen meine Eltern und ich manchmal, wenn es sehr kalt oder stürmisch war, in die Alte Kirche zur Weihnachtsandacht. Es gab dort zwar kein Krippenspiel, dafür war der Weg aber kurz und was noch schöner war: Die Kapelle hatte einen großen Kachelofen, der richtig schön geheizt wurde (manchmal sogar zu viel). Eine Orgel gabs auch nicht, die Musik kam von einem kleinen Harmonium. Der Altar war aus gemauerten Backsteinen. Eine Glocke unter dem Dach war auch da, sie wurde durch eine kleine Öffnung in der Decke von der Kapelle aus mit einem Seil betätigt. An Pastor Möller kann ich mich erinnern, der die Weihnachtsandacht hielt und danach zur St. Marienkirche mit seinem Trabant fuhr, um dort die nächste Predigt zu halten. Übrigens waren die Räume links und rechts des Flures von der Haustür zur Kapelle noch von Leuten bewohnt.

Die Glocke von St. Jürgen.

Später in den 80er Jahren verfiel das Gebäude immer mehr, es war weder Geld noch Material da für Reparaturen. Als die letzten Bewohner ausgezogen waren, ging der Verfall noch schneller. In der „Ostsee-Zeitung” vom 12.2.1991 schrieb Martin Afheldt (Pfarrer in Bodstedt) unter der Überschrift: „Hat das Zeugnis der Vergangenheit keine Zukunft mehr?“ einen Artikel über das Gebäude. “Der Zustand der Alten Kirche stinkt zum Himmel und das ganz wörtlich. Im ältesten Gebäude der Stadt häufen sich auf den Fluren Gerümpel, Unrat und Lumpen.” Der Artikel endet mit dem Satz: “Nach den Worten des Superintendenten Podszus zeichnet sich vorerst keine Lösung ab. Es tut weh, ein solches Gebäude wie die Georgenkirche in Barth verfallen zu sehen.”

In meinen Unterlagen habe ich noch eine Notiz gefunden, dass ich am 16.10.1991 in der Alten Kirche war: Die Haustür und die Kapellentür standen auf, der große Kachelofen war demontiert worden und die Kacheln waren gestapelt, auf dem Altar stand noch das Kruzifix, ein großes Bild hing an der Wand (heute hängt es im Gemeindehaus in der Papenstraße). Es hätte alles ohne große Mühe gestohlen werden können. Der Zustand insgesamt war genauso schlimm, wie ihn Pastor Afheldt beschrieben hat. Ich habe damals einiges fotografiert.

In der Kapelle der “Alten Kirche”.

Inzwischen war ich in die Barther Stadtvertretung gewählt worden und hatte dort in vielen Ausschüssen mit einer Flut an Veränderungen, Anträgen, Verordnungen genug zu tun. Auch arbeitsmäßig wurde ich voll beansprucht (noch war ich Verkaufsstellenleiter beim Konsum), aber meine Selbstständigkeit war in Planung und Vorbereitung. Am 1.5.1992 war es dann so weit – ich war mein eigener Chef.

Die Alte Kirche ist dann etwas aus meinem Blickfeld geraten, zumal sich ja etwas tun sollte, wie den Medien zu entnehmen war. Und irgendwann war die Sanierung im Gange. Als es an die Innengestaltung ging, kam ich mit dem Graphiker Wolfgang Sohn ins Gespräch. Er suchte noch ein sehr gut reproduzierfähiges Bild eines Barther Kupferstiches mit der mittelalterlichen Stadtansicht. Er hatte bei mir Glück. Ich hatte kurz vorher einen handcolorierten Kupferstich von Braun & Hogenberg erworben. Den vertraute ich ihm an und er ließ ihn in einer Fachwerkstatt sehr hochauflösend einscannen, um davon einen Druck in überdimensionaler Größe anfertigen zu lassen. Er hängt heute noch in den Ausstellungsräumen – immer, wenn ich ihn dort sehe, denke ich daran. Ich habe übrigens das Original unbeschadet zurückbekommen.

Dann kam der große Tag: Am 31.10.2001, dem Reformationstag, fand ein Gottesdienst in der St. Marienkirche mit viel Prominenz statt. Viele kirchliche und auch weltliche Würdenträger waren zugegen, um in einer feierlichen Prozession von der Kirche über die Lange Straße und die Sundische Straße zur Alten Kirche zu gehen, um dort das Bibelzentrum (das war der neue Name) einzuweihen. An diesem Tag herrschte ein starker Sturm, und das Festzelt, das hinter der Kirche aufgebaut war, drohte beinahe wegzufliegen.

Am 12.6.2003, ich war inzwischen Mitglied im Landtag von MV geworden, war Grundsteinlegung für das Mehrzweckgebäude. Viele waren gekommen, um dabei zu sein: Bürgermeister Löttge, Landtagsabgeordneter Rehberg, Architekt Wegener, Stadtpräsident Arndt, Herr und Frau Pilgrim, Organist Handke u.v.m.

Am 20.9.2003 konnte ich mit Bürgermeister Löttge und Herrn Pilgrim den Landtagsabgeordneten und früheren Landtagspräsidenten Rainer Prachtl begrüßen. Er war sehr angetan von dem Objekt, besonders der Nachbau der Druckerpresse, die Tischlermeister Bumblies angefertigt hatte, und natürlich das Glanzstück, eine originale Barther Bibel, gedruckt in der Fürstlichen Druckerei in Barth 1584-88, begeisterten ihn.

Am 6.9.2006 war Landwirtschaftsminister Till Backhaus zu Gast im Bibelzentrum. Inzwischen war Cornelia von Uckro Leiterin geworden, unter anderem wurde auch der Bibelgarten bewundert.

Am 30.10.2011 gab es zum 10jährigen Jubiläum eine Festveranstaltung mit anschließendem Empfang im Wappensaal im Hotel Stadt Barth.

Im Laufe der Jahre war ich dann noch bei einigen Veranstaltungen im Mehrzweckgebäude dabei.

Ich bin sehr wahrscheinlich einer der ältesten Mitarbeiter der Evangelischen Kirchengemeinde St. Marien Barth
und versuche hiermit, einige Erinnerungen an das ehemalige Hospital St. Georg aufzuschreiben.
Als ich am 1. Oktober 1970 in Barth als gerade noch 22-Jähriger startete, war das Haus von vielen älteren Bewohnern gefüllt. (Übrigens auch die rote Häuserzeile „St. Crucis” in der Sundischen Straße und die Wohnungen in „St. Spiritus” in der Langen Straße und Badstüberstraße waren weitgehend bis zur Wende vor 30 Jahren bewohnt.)

Emil Handke

Einmal im Monat an einem Sonntag und am Heiligen Abend gab es bis Anfang der 80-er Jahre regelmäßig um 15 Uhr einen Gottesdienst in der Kapelle. Meine Aufgabe war 1. das Läuten der Glocke und 2. das Begleiten des Gesanges auf einem schon sehr alten Harmonium, dem ordentlich Luft zugeführt werden musste. Der Besuch aus dem Haus und St. Crucis war unterschiedlich zwischen 20 bis 40 Teilnehmer.
Gegen Ende der 70-er Jahre fiel die Glocke aus ihrem Halt und zerbrach. (Sie steht jetzt im südlichen Turmseitenraum in St. Marien.)
Darüber hinaus gab es 14-tägig Gottesdienste in „Barth-West” Am Brink bei der sehr alten Frau Berg. Hier versammelte man sich in einer nach dem 1. Weltkrieg erbauten Häuschen, das ihr Mann selber errichtet hatte. Das
Wohnzimmer war der Raum, in dem ebenfalls ein altes Harmonium stand, jedoch die Tapeten von Wänden und Decken fielen und teilweise Regennässe auffingen. Noch in den 80-er Jahren wurde an der Stelle ein kleines Gemeindehaus erbaut.
St. Georg wurde durch den Einzug eines neuen Totengräbers für die übrig gebliebenen Bewohner immer schwieriger. Das Haus wurde deutlich unbewohnter. Der Totengräber blieb wohnen und mit ihm im Haus ein Pferd.
Schließlich konnte nur Unbewohnbarkeit festgestellt werden.
Schon etwa 1987 wurden erste Überlegungen zu einem BIBELZENTRUM in St. Georg sondiert, wobei eine Erreichbarkeit fast unmöglich erschien.

Pfarrer i.R. Siegfried Burmeister erinnert sich:
Am 7. Juli 1963 habe ich als Vikar bei Pastor Möller in der Alten Kirche St. Geord einen plattdeutschen Gottesdienst gehalten. Das war gewissermaßen ein unbewusster Vorgriff auf das spätere Bibelzentrum. Der plattdeutsche Gottesdienst ist im sogenannten Sakristeibuch von dem damaligen Büroleiter Herrn Frohburg dokumentiert worden. Hier ist der Text meiner Predigt:

Der Barther Bibelgarten

Was ist unter „Bibelgärten“ eigentlich zu verstehen? Sind das Gärten, in denen Bibeln ausliegen? Oder sind es in der Bibel erwähnte Gärten? Auf solche Fragen gebe ich gern die Antwort: Nein, keines trifft zu. Es sind Gärten, in denen Pflanzen wachsen, die in irgendeiner Weise christliche Bezüge aufweisen. Und da gibt es eine große Vielfalt. Das Thema „Bibelgarten“ ist sogar so umfangreich, dass eine Dissertation dazu geschrieben wurde. Dort ist zu lesen, dass das Wort „Bibelgarten“ in der deutschen Schriftsprache erst seit 1993 existiert.1 In England ist die Bezeichnung „bible garden“ bereits 1836 verbürgt, aber im Sinne einer Beschreibung biblischer Pflanzen. Auch amerikanische Zeitschriften widmeten sich dem Thema. Überliefert ist, dass 1884 eine Ausstellung zu biblischen Pflanzen im Botanischen Garten von St. Louis/Missouri organisiert wurde. Ein dauerhafter Bibelgarten ist erstmals für 1940 in Kalifornien / USA nachgewiesen.

Anette Lukesch

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Pflanzen aus dem biblischen Umfeld auch in Europa wieder aktuell, und zwar in Greifswald. Professor Gustaf Dalman, der lange Zeit in Israel lebte und dort eine große Sammlung von Alltagsgegenständen und Pflanzen (im Garten und als Herbarium) anlegte, etablierte an der Universität Greifswald die Palästinawissenschaft. Es hat mir viel Freude gemacht, sein wertvolles Herbarium im Dalman-Institut der theologischen Fakultät der Universität Greifswald anzusehen.

Erst in den 70-er Jahren nutzte dann der Botanische Garten Hamburg bei seinem Umzug von der Innenstadt nach Flottbek die Chance, sich, nun mit mehr Platz ausgestattet, dem Thema Bibelpflanzen zu widmen. Danach zeigten die Gartenschauen 1995 in Cottbus und 2000 in Potsdam biblische Pflanzen. Schon das erste Cottbuser Beispiel machte Schule, biblische Gärten entstanden auch andernorts, wie 1996 in Schöningen bei Hannover, 1996/97 in Schleswig, 1998 in Bremen und 1998/99 im Kloster Marienthal bei Görlitz. Jeder dieser Gärten ist anders gestaltet und auch inhaltlich anders konzipiert. So hat es sich mittlerweile bewährt, nicht nur in der Bibel erwähnte Pflanzen zu zeigen, sondern auch Pflanzen, die in anderen Zusammenhängen mit christlichem Gedankengut stehen. Es gibt Gärten, die sich Spezialthemen widmen, zum Beispiel dem Lebensweg von Mose (Jägerwirth bei Passau) oder dem Garten der Familie Luther (Käthes Küchengarten in Twist/Emsland).

In dieser Zeit und auch noch heute entstanden und entstehen an vielen Orten Bibelgärten. Wie heißt es doch: „Erfahrungsaustausch ist die billigste Investition“. Und so bekam ich zusammen mit meinem Mann 2006 die Einladung zur ersten Tagung der Bibelgärtner Deutschlands in Schöningen bei Hannover. Diese seitdem in zweijährigem Rhythmus organisierten Treffen sind eine Fundgrube neuer Kenntnisse und Ideen, sowohl gärtnerisch als auch theologisch. Uns macht es auch Freude, unsere Barther Erfahrungen in Vorträgen oder Seminaren weiterzugeben. Das Netzwerk der Bibelgärtner ist von anfangs 22 interessierten Gemeinden/Institutionen auf über 180 angewachsen.2

Der Anfang (oder: Wie alles begann)

Als im Jahr 2001 das Bibelzentrum eingeweiht wurde, gehörte bereits ein kleiner Bibelgarten zur Anlage. In vier gleich gestalteten Teilen wuchsen in der Bibel genannte Pflanzen, Pflanzen der Klostergärten und solche mit christlichen Bezügen in buntem Nebeneinander, insgesamt 44 Arten.3 Das Konzept dafür hatte der Landschaftsgestalter Dierk Evert aus Lietzow/Rügen mit seinem Büro erarbeitet. Er war auch für die Gestaltung der gesamten Außenanlagen verantwortlich.

Die äußere Gestalt des Gartens in Form der vier mit Buchsbaum eingefassten Segmente gibt es auch heute noch. Es ist eine alte Gestaltungsweise, wie sie in den Klöstern zwischen den Kreuzgängen üblich war. In den Gevierten wuchs allerdings damals keine bunte Pflanzenschar, Rasen oder nur eine Pflanzenart bestimmten das Bild. Es war ein meditativer Garten, der ähnlich wie der Kreuzgang zur Konzentration einladen und Ruhe bringen sollte.

Blick in den Bibelgarten

Hier noch kurz zur weiteren Geschichte der Buchsbaumgärten: Nach dem Vorbild der Klöster übernahmen Herrschaftshäuser und danach reiche Bauernwirtschaften diese Gestaltungsform für ihre Gärten. Die Buchsbaumumrandung macht die Pflege aufwändiger, daher ist diese Gartenform eher als Ziergarten denn als Nutzgarten geeignet. Aus diesem Grund konnten sich meist nur Bauern mit ausreichend Personal diese Vorgärten leisten. Im gängigen bäuerlichen Vorgarten wuchsen Gemüse und Blumen in Reih und Glied nebeneinander, mit Hacke und Harke leicht zu bearbeiten.

Es ist schön, dass die alte Form des meditativen Gartens der Klöster im Barther Bibelgarten wiederkehrt.

Im Laufe des ersten Jahres erwies sich allerdings die fehlende Gruppierung als hinderlich für die pädagogische Arbeit. In die Erweiterung des Konzepts und die Neugestaltung des Gartens wurden wir, mein Mann Christian und ich, mit unserem Fachwissen als Gärtner einbezogen. Auf Anregung von Cornelia von Uckro und Johannes Pilgrim erarbeiteten wir ein neues Grundkonzept, nach dem die Pflanzen in vier Gruppen eingeteilt und gepflanzt werden. Es begannen die gründlichen Feinarbeiten wie Bestandsaufnahme, Literaturstudium und Pflanzenbeschaffung.

Bis Anfang des Jahres 2003 geschah das ehrenamtlich. Danach waren die Arbeiten von März 2003 bis Februar 2006 während einer inhaltlich korrespondierenden Maßnahme des Arbeitsamtes möglich: Als Projektmitarbeiterin für die Interessengemeinschaft Barthe im BUND (Bund Natur und Umwelt) waren meine Aufgaben, Voraussetzungen für die Renaturierung der Barthe zu schaffen, gartenbaufachliche Anleitung im historischen Pfarrgarten Starkow zu erarbeiten und zu organisieren und den Bibelgarten zu konzipieren, zu realisieren und Informationsmaterial zu erarbeiten. Angesiedelt war das Beschäftigungsverhältnis als „SAM“ (Strukturanpassungsmaßnahme) im BQB Barth (Barther Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft).

Die Arbeit an meiner 2004 fertig gestellten Masterarbeit an der Universität Rostock zum Thema „Umweltbildung aus christlicher Sicht im Bibelgarten Barth und im historischen Pfarrgarten Starkow“ war ebenfalls eine gute Gelegenheit, am Thema intensiv zu arbeiten. In dieser Zeit ist viel Informationsmaterial entstanden, das später die Grundlage zum Bibelgartenbuch „Pflanzenwelt und Christentum“ bildete.

Zurück zum Garten: Woher konnten wir all diese Pflanzen bekommen? Es war uns bei den in der Bibel genannten Pflanzen wichtig, soweit klimatisch möglich, die exakte Art zu pflanzen und nicht nur ähnlich aussehende verwandte Arten. Da kamen uns Dr. Peter König vom Botanischen Garten Greifswald und Professor Graner von der Genbank des Institutes für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung Gatersleben, die wir um Hilfe baten, entgegen. Von dort erhielten wir Saatgut mediterraner Herkunft, z. B. vom Hartweizen ‘Nursith Hazera 150’ und einer zweizeiligen Gerstensorte, ebenfalls aus Israel. Beide stehen heute noch im Bibelgarten. Für manche Arten war eine Vorkultur im Gewächshaus nötig, zunächst in der Gärtnerei Hoffmann auf dem ehemaligen Gelände der Abteilung Züchtung des VEG Saatzucht Zierpflanzen Barth, später im eigenen kleinen Gewächshaus.

Die Pflanzen für die anderen Kategorien des Gartens zu beschaffen war einfacher, denn sie wachsen fast alle seit Jahrhunderten in Mitteleuropa. Wir kauften sie in Gärtnereien, oft auch bei Reisen, und ergänzten aus unserem eigenen Garten. Die in der Erstpflanzung vorhandenen Pflanzen bildeten das Grundgerüst. Mit den Ergänzungen erhöhte sich die Aussagekraft des Bibelgartens. Derzeit sind dort ca. 155 Pflanzenarten zu sehen.4

Eine wichtige Aufgabe war die Gestaltung der Ausschilderung im Bibelgarten, technisch wie inhaltlich. Sie ist ausschlaggebend für die Eindrücke und Informationen, die Besucher des Bibelgartens mitnehmen können. Wichtig war und ist mir, auf dem Etikett nicht nur den Namen der Pflanze zu vermerken. Besucher sollen den Grund erkennen, weshalb gerade diese Pflanze im Bibelgarten wächst.

Zu Anfang gab es noch keine Schilder. Erst ab 2003 leuchtete aus dem Bibelgarten ein weißer Schilderwald aus laminiertem Papier. Den damaligen Mitarbeitern wird noch in Erinnerung sein, wie „störrisch“ diese Etiketten beim Ankleben auf dem Untergrund der Etikettenträger waren. Seit 2009 verwenden wir Schilder, die in einem anderen Verfahren hergestellt und lange haltbar sind. Durch ihre grüne Grundfarbe fügen sie sich gut in die Pflanzung ein.

Mit der Zeit nahm auch das Bewässerungssystem immer praktischere Formen an. Von einer anfänglichen mobilen klassischen Beregnung mittels Schlauch über niedrige, in jedem Beet stehende „Pilzregner“ bis hin zu dem im Jahr 2018 verlegten israelischen Profisystem von Tropfschläuchen, mit Schaltuhren gesteuert, ging die Entwicklung. Ein für die Pflege wesentlicher Qualitätssprung, da jetzt alle Pflanzen gleichmäßig und Wasser sparend versorgt werden. Auch optisch ist es ein Gewinn, da die Pflanzen die Beete dominieren und kein weithin sichtbarer Regner den Eindruck – und die gern aufgenommenen Fotos – stört.

Apropos Wasser: Seit 2015 wachsen auch Schilf, Rohrkolben, Gottesgnadenkraut und Sumpfbinse im Bibelgarten. Als ausgesprochene Liebhaber von viel Feuchtigkeit können sie nicht in den Beeten ausgepflanzt werden, sondern benötigen gesonderte Gefäße, die aber öffentlichkeitstauglich, also gut aussehend sein sollen. Eine passende Umrandung dieser Gefäße konnten wir 2015 als Nachnutzung der Ausstellung „Garten Eden“ der Demminer Kirche erwerben. Wir hielten dort einen Vortrag über den Bibelgarten und haben die Gelegenheit ergriffen, den entsprechenden Kontakt herzustellen. So konnte ein lange geplantes Vorhaben verwirklicht werden.

Pflanzennamen – mehr als Worte

Die Pflanzennamen christlichen Ursprungs zeigen in ihrer Fülle die christlichen Wurzeln unserer Kultur. Viele Pflanzen, wie z. B. Christrose, Pfingstrose und Kirmesblume, hätten in einem anderen Kulturkreis andere Namen. Sie sind nach christlichen Festen benannt. „Kirmesblume“ kennen Sie nicht? Es ist ein regional verbreiteter Name für die Winteraster. Viele unserer Pflanzen tragen mehrere Namen, von denen nur einer amtlich deutschlandweit gilt. Die Kirmesblume blüht zum Kirmesfest und das ist ursprünglich nicht nur ein „Rummel“ oder „Jahrmarkt“, wie es heute assoziiert wird. Es war das Fest der Kirchweih, das meist im Herbst gefeiert wurde.

70 Pflanzen mit christlichen Namen stehen derzeit im Bibelgarten.

Der Bibelgarten

Pflanzen – nicht nur schön

Symbolpflanzen sind uns heute weitgehend gar nicht mehr geläufig. Dennoch sind wir von ihnen umgeben. Mir ist das auch erst während der Arbeiten zum Bibelgarten so richtig bewusst geworden. Buchsbaum ist eine beliebte Einfassungspflanze, auf Friedhöfen genauso wie in Gärten. Er ist immergrün und daher Symbol für Beständigkeit und das ewige Leben. Ein ganz altes Symbol für alles Ewige ist auch das Akanthusblatt. Schon in der Antike schmückte es die Säulen der Paläste und ist heute in sehr vielen Kirchen als Schmuckelement zu finden. 25 Pflanzen mit symbolischer Bedeutung sind bei uns zu entdecken.

Klöster – neues Wissen aus dem Süden

Ein reicher Schatz für Küche und Medizinschrank sind Pflanzen, die schon in früheren Zeiten in Klöstern kultiviert wurden. Die ersten Heil- und Gewürzgärten der Klöster sind im frühen Mittelalter im Mittelmeerraum entstanden. Sie gehen auf den Mönch und Ordensgründer Benedikt von Nursia zurück. Dieser verfügte um das Jahr 540 in seinen Klosterregeln, sich um Kranke zu kümmern. Das war damals durchaus nicht selbstverständlich. Im Bibelgarten wachsen über 30 der verschiedenen in Klöstern kultivierten Pflanzen. Klassiker wie Salbei, Gewürzfenchel und Rosmarin sind dabei. Aber auch die Osterluzei, ein beliebtes wundheilendes Mittel der alten Ritter. Diese Pflanze habe ich trotz intensiver Suche im Handel nirgends bekommen, erst an einer alten Klostermauer in Schleswig-Holstein wurde ich fündig. Heute weiß ich, weshalb: Sie enthält krebserregende Stoffe und selbst in der Literatur der Volksheilkunde kommt sie nicht mehr vor. Fazit: Nicht jede Heilanwendung des Mittelalters ist nachahmenswert.

Die Bibel – Pflanzen machen Aussagen verständlich

Die in der Bibel genannten Pflanzen sind der eigentliche Namensgeber des Gartens. Ich stelle immer wieder fest, wie interessant es für die Besucher ist, Linsen und Kichererbsen nicht nur in der Tüte oder auf dem Teller zu sehen, sondern im Garten wachsend.

Der Gedanke, nachzuspüren, um welche Pflanzen es sich denn nun wirklich in der Bibel handelt, hat die Bibelübersetzer schon vor Hunderten von Jahren bewegt – auch Martin Luther. Nicht immer sind die Pflanzen in den biblischen Texten so eindeutig identifizierbar. Theologen, Sprachwissenschaftler und Botaniker sind sich diesbezüglich oft nicht einig. Die Texte sind immerhin mehrere tausend Jahre alt, Sprache und Vegetation haben sich verändert. Wichtig ist bei einer Übersetzung aber, den Text so zu formulieren, dass die Leser ihn im ursprünglichen Sinne verstehen. Da nutzt es wenig, wenn nach ganz korrekter Identifizierung eine Pflanze im Text genannt wird, die den Lesern unbekannt ist. Luther übersetzte 1545 daher in Jesaja 60,13: „Die Herrlichkeit des Libani sol an dich komen/ Tennen/Buchen und Buchsbaum mit einander zu schmücken den Ort meines Heilighthums. Denn ich will die Stet meiner Füsse herrlich machen“. Heute lesen wir in der Einheitsübersetzung von 1985: „Die Pracht des Libanon kommt zu dir, Zypressen, Platanen und Eschen zugleich, um meinen heiligen Ort zu schmücken…“ In der Bibel sind 110 Pflanzen und Pflanzengruppen erwähnt. Viele wachsen nur im mediterranen Klima gut bzw. sind dort ausreichend winterhart. Trotzdem können wir hier jährlich ca. 30 von ihnen zeigen.

Eine kleine Begebenheit am Rande:

Vor den Eingang zum Ausstellungshaus steht eine nun schon stattlich gewordene Libanonzeder (Cedrus libani). Sie hat eine kleine Geschichte, die ich hier etwas ausführlicher schildern möchte:

Kurz vor Pfingsten 2012 erhielt das Bibelzentrum einen Anruf vom Bischofsbüro der Pommerschen Landeskirche. Gesucht wurde ein Standort für einen „Lutherbaum“. Der Hintergrund war, dass seit langem schon eine Aktion im Rahmen der Lutherdekade zum 500. Reformationsjubiläum lief, bei der in Wittenberg ein „Luthergarten“ entstand. Ursprung des Projektes war der Luther zugeschriebene Ausspruch „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen“. 500 Bäume sollten es sein, gepflanzt bzw. unter Patenschaft von Kirchen aus aller Welt und aller Konfessionen. Gleichzeitig war ein Baum in der jeweiligen Heimatkirche zu pflanzen. Auch die Pommersche Landeskirche beteiligte sich an der Aktion. Ihr damaliger Bischof Dr. Jürgen Abromeit hatte im November 2009 in Wittenberg einen Rot-Ahorn (Acer rubrum ‘October Glory‘) gepflanzt. Nun musste noch ein Baum in Pommern gepflanzt werden….

Mittlerweile war das Jahr 2012 herangekommen, die Pommersche Landeskirche hörte Pfingsten dieses Jahres auf zu existieren und ging in der Nordkirche auf – und es war noch kein „Lutherbaum“ gepflanzt. Daher die eilige Anfrage ans Bibelzentrum. Mein Mann und ich schlugen vor, einen Judasbaum (Cercis siliquastrum) zu pflanzen. Die Legende besagt, dass Judas, der Jesus an die Justiz verraten hat, sich an diesem Baum aufgehängt hatte. Als Standort für den Baum konnten wir uns den kleinen Wasserlauf in der Wiese gut vorstellen. Er blüht auffällig, hat schönes, sich im Herbst leuchtend verfärbendes Laub. Auch theologisch ließe sich daraus einiges machen, der Umgang mit Schuld und Vergebung ist ein großes Thema.

Doch Bischof Abromeit war damit nicht einverstanden, plädierte für eine Zeder. Wir waren skeptisch. Der biblische Zusammenhang war zwar gegeben, Zedern sind zudem wunderschöne Bäume, werden aber 40 m hoch und 30 m breit. Für das Freigelände des Bibelzentrums daher weniger geeignet. Aber der Wunsch des Bischofs war stark. Die Zeit bis zur Pflanzung knapp, denn bald existierte die Pommersche Kirche nicht mehr, letzter Pflanztermin war Pfingsten. Es gelang uns, innerhalb einer Woche über den Rostocker Gartenmarkt „Grönfingers“ eine Zeder zu organisieren. Sie kam auch pünktlich kurz vor Pfingsten per Tieflader im Bibelzentrum an. Stattliche 3 m war sie schon hoch. Das Pflanzloch wurde ausgehoben, die Zeder bereitgelegt, so dass Bischof Abromeit der Sitte entsprechend etliche Schaufeln Erde zur Pflanzaktion beisteuern konnte.

Das geschah alles nach dem Pfingstgottesdienst, der am Barther Hafen stattfand. Etliche Gäste waren von dort mit zum Bibelzentrum gekommen und wohnten der Zeremonie bei. Ich sah, wie ein Interessierter vor dem Aufrichten der Zeder das Etikett am Baum fotografierte und fand diese Idee nicht schlecht, fotografierte ebenfalls. Die Pflanzung war eine fröhliche Aktion. Im Nachherein sahen wir uns zu Hause die Fotos an und staunten und waren erleichtert ob der glücklichen Fügung. Was war geschehen? Das Etikett auf dem Foto gab auch den Sortennamen preis, dort stand: Cedrus libani ‘Fastigiata‘. Uns sagte das: Es ist die Säulenform der sonst so stattlich werdenden Zeder. 10 Meter Höhe und 5 Meter Breite sind dort, vor dem Eingang ins Gelbe Haus, durchaus vertretbar. Wir waren nicht auf die Idee gekommen, diese Form auszuwählen, die Gärtnerei hatte ohne unser Zutun genau die richtige Form geliefert.

Niederdeutsch im Pflanzenreich

Ein 2020 fertig gewordenes Projekt ist die Präsentation der Niederdeutschen Pflanzennamen des Bibelgartens. Die Vorarbeit dauerte etliche Jahre. Kontakte zum Projekt „Pommersches Wörterbuch“ der Universität Greifswald lieferten eine Fülle von Namen, Niederdeutsche Pflanzenwörterbücher ergänzten die Sammlung.

Blick vom Bibelgarten auf die Kapelle St. Jürgen

Das Besondere an der Niederdeutschen Sprache ist, dass oft von Ort zu Ort verschiedene oder abgewandelte Vokabeln benutzt werden. Ich kenne das: Als Barther mit „Migrationshintergrund“ aus der Lausitz habe ich mich gut in das hiesige Platt hineingehört, habe aber mit Platt, das in anderen Gegenden gesprochen wird, meine Schwierigkeiten. So habe ich mich nicht gewundert, dass auch die Pflanzenbezeichnungen von Ort zu Ort variieren. Daher gab ich eine Liste aller hochdeutschen Bezeichnungen der im Bibelzentrum vorhandenen Pflanzen an plattdeutsch sprechende und mit Pflanzennamen vertraute Barther mit der Bitte, ihnen bekannte niederdeutsche Bezeichnungen einzutragen. So konnte ich mich, soweit wie möglich, auf das Pommersche Platt in der näheren Umgebung beziehen.

Das Ergebnis ist eine öffentlich im Bibelgarten ausliegende Liste mit bis zu 5 Namen pro Pflanze. Nicht alle Pflanzen im Bibelgarten haben niederdeutsche Bezeichnungen, spät „eingewanderte“ Arten wie Rizinus heißen auch im Niederdeutschen so oder werden lautsprachlich benannt (Kreuzkümmel als „Krüüzkümmel“).

Manchmal haben diese Namen wie im Hochdeutschen einen biblischen Bezug, oft aber auch nicht. Frauenmantel wird „Marienkruut“ oder „Taumantel“ genannt. Morgens sammelt sich zwar nicht, wie oft angenommen, der Tau auf den Blättern. Es ist vielmehr die nachts ausgeschiedene Flüssigkeit, die kleine Tropfen bildet. Zum Taumäntelchen gibt es einen kleinen Vers: „Taumäntelchen, mit Perlen bestickt, hest al veel Minschen bröcht Glück, geev ok mi Roh un Kraft dat ik mien Dagwark wedder schaft“. Hirtentäschel wird als „Schinkenkrut“ bzw. „Gnapperkees“ bezeichnet. Das Gottesgnadenkraut heißt im Niederdeutschen auch „Gichtkrut“, denn ein Tee daraus wirkt harntreibend und lindert dadurch die Gichtbeschwerden. Die Michaelisblüte, bekannter unter dem Namen Herbstzeitlose, nennt sich „Nakend Jumfer“, da die Laubblätter zur Blütezeit im Herbst nicht mehr vorhanden sind. Das Niederdeutsche ist wie immer treffend und kernig in Sprache und Ausdrucksweise.

Der Christliche Rosengarten

Seit 2017 ergänzt ein kleiner Rosengarten die Pflanzungen. Entstanden ist er durch Initiative der „Stiftung Niederdeutsches Bibelzentrum Barth“. Sie stellte die nötigen Finanzmittel zur Verfügung. Planung, Mittelbeschaffung über das LEADER-Förderprogramm, Ausschreibung und Baubegleitung erfolgten durch den Vorsitzenden der Stiftung, Christian Lukesch.

Dieser Gartenteil trägt die Bezeichnung „Christlicher“ Rosengarten, denn es wurden bewusst nur Rosensorten gepflanzt, deren Namen christliche Bezüge aufweisen. Dabei war es gar nicht so einfach, diese Rosen zu beschaffen. Zwar hatte ich eine Liste von über 200 Sorten zusammengestellt, aber nicht alle diese Sorten waren im Handel zu bekommen. Zahlreiche Baumschulen wurden angeschrieben, bis schließlich 38 verschiedene Sorten nach und nach zusammenkamen. Viele Rosennamen weisen auf Persönlichkeiten hin, die eng mit dem Christentum verbunden sind, wie ‘Pfarrer Sebastian Kneipp’, ‘Martin Luther’ oder ‘Mozart’. Eine Rose trägt den Namen ‘Elvis’. Ja, der Elvis Presley ist tatsächlich gemeint, auch ‘Alleluja’ und ‘Aschermittwoch’ sind dabei. Im Rosengarten wachsen alte, sehr lange schon kultivierte Sorten und neue Züchtungen. Oftmals ist mit ihnen ein Stück Weltgeschichte verbunden.

Das Pflanzen der ersten Rosen war ein besonderes Ereignis. Die Namen sind so vielfältig, dass es sich anbot, daraus ein ökumenisches Treffen zu machen. Das Bibelzentrum ist zwar jetzt eine Einrichtung der evangelischen Nordkirche, die Anfänge waren aber eindeutig ökumenisch. Dafür gibt es viele Belege und Erinnerungen. Gern haben wir mit dem Rosengarten daran erinnert: Die Rose ‘Benedetto’, benannt nach dem Papst, pflanzte der damalige katholische Pfarrer von Stralsund und Barth, Andreas Sommer. Man sah ihm dabei den gelernten Gärtner an. Die Rose ‘Alleluja’, deren Name ein alle christlichen Religionen verbindender Freudenausruf ist, pflanzte Dankmar Bumblies als Vertreter der Freien evangelischen Gemeinde, ‘Sebastian Kneipp’, der evangelische Ortspfarrer Stefan Fricke als gelernter Physiotherapeut. Auch ‘St. Cecilia’ und ‘Pilgrim’ hatten besondere Paten…

Das alles und die besonderen Geschichten, die hinter den einzelnen Rosensorten stehen, erzählt auf über 90 Seiten die Broschüre „Der christliche Rosengarten in Barth“.5 Sie enthält auch Informationen zur Entstehung neuer Rosensorten, zum Symbolgehalt von Rosen und ihrer Erwähnung in der Bibel. Um Gestaltung und Druck kümmerte sich in bewährter Weise Bernd Rickelt. Der Besucher findet diese Informationen auch im Rosengarten auf Tafeln, Schildern an den Pflanzen und an einer Info-Stele.

Die Rosenpracht reicht sortenabhängig bis weit in den Herbst hinein. Inmitten all der Rosen ist ein gemütlicher Sitzplatz entstanden, für Regenwetter steht die gleichzeitig mit dem Rosengarten errichtete Remise als Unterstand zur Verfügung.

Sicht vom Rosengarten zur Kapelle St. Jürgen

Besuch im Bibelgarten

Wer sich Bibel- und Rosengarten anschauen möchte, kann das gern während der Öffnungszeiten des Hauses tun, der Eintritt in den Garten ist frei. Seit 2018 werden von Mitte Mai bis Mitte September 14-tägig Gartenführungen angeboten. Außerdem laden spezielle Angebote während der landesweiten Aktion „Offene Gärten“ oder der regionalen Initiative „Treckeltied“ zum Besuch ein.

Zum Thema „Bibelgarten“ kann das Buch „Pflanzenwelt und Christentum“6 erworben werden. Wer die Reihe „Lande Barth“ besitzt, findet im Heft Nr. 7 von 2015 einen ausführlichen Artikel zum Garten. Informationen zum Thema Klosterpflanzen liefert unser Buch „Klosterpflanzen in Küche und Garten“7.

Literatur:

1 Stückrath, Katrin: Bibelgärten. Entstehung, Gestalt, Bedeutung, Funktion und interdisziplinäre Perspektiven, in: Arbeiten zur Pastoraltheologie, Liturgik und Hymnologie Band 72; Göttingen 2012.

2 www.bibelgarten.info.

3 Evert, Dierk: Plan Bibelgarten (2001);

Lukesch, Christian und Anette: Tabelle verwendbarer Pflanzen für den Bibelgarten (2001), beides: Archiv Bibelzentrum Barth.

4 Lukesch, Anette: Umweltbildung aus christlicher Sicht im Bibelgarten Barth und im historischen Pfarrgarten Starkow, Masterarbeit Universität Rostock 2004, unveröffentlicht.

5 Lukesch, Anette und Christian: Der Christliche Rosengarten in Barth – was Namen erzählen, Eigenverlag Bibelzentrum Barth, Bezug über Bibelzentrum Barth.

6 Lukesch, Anette: Pflanzenwelt und Christentum – ein Gang durch den Barther Bibelgarten, Bentwisch, 2. Auflage 2011.

7 Lukesch, Christian und Anette: Klosterpflanzen in Küche und Garten, Ribnitz-Damgarten 2017.

Kirche, Gott und Glauben zum Kennenlernen

Das Bibelzentrum Barth als Ort für unfreiwillige Entdecker und Entdeckungen

Zu den Besuchern des Bibelzentrums Barth gehören auch diejenigen, die eigentlich reichlich wenig Lust darauf hatten, sich mit Kirche, Gott und Glauben auseinanderzusetzen und ganz andere Interessenslagen haben. In meiner Zeit als Referent am Bibelzentrum waren das die Gruppen, die mich stets gereizt und an denen ich besondere Freude hatte.

Kaum eine Gruppe, in der am Ende nicht das Feedback geäußert wurde, „ganz ehrlich, eigentlich hatte ich wenig Lust, aber dass man das hier entdecken konnte, hätte ich nicht gedacht.“ Das ging quer durch sämtliche Altersklassen und Milieus. Da ist der Ehemann, dessen Gattin begeistert von der Blumenvielfalt im Bibelgarten nur mal kurz reinschauen wollte und wegen des Regenschauers dann die eigentlich geplante Fahrradtour dankbar etwas länger unterbrach. Nach einem kurzen Plausch beim Kaffee und einem, vom Seniorenkaffee übriggebliebenen Stück Kuchens, war dann doch die Faszination für alte Druckmaschinen geweckt, weil der Onkel an genauso einer gearbeitet hat. Plötzlich war es der Ehemann, um Jahrzehnte zurückversetzt, der „nur noch kurz“ die nächste Druckmaschine begutachten wollte. Die Frage, was diese faszinierende Technik denn in so einem Bibelmuseum zu suchen hätte, brauchte da gar nicht mehr gestellt werden. Das erklärte sich angesichts des imposanten Nachbaus der Gutenbergpresse und der quer durch den Raum hängenden Druckerzeugnisse der Schulklasse vom Vormittag ganz von allein.

Da waren die Schulklassen, die begeistert von der Computertechnik die Geschichten der Bibel entdeckten und ganz nebenbei ein Schüler den Hintergrund zu seinem eigenen Namen entdecken konnte. Oder die zahllosen Rekrutengruppen, zu deren lebenskundlichen Unterricht es gehörte, einen Vor- oder Nachmittag im Bibelzentrum zu verbringen.

Frühmorgens stiegen sie in Parow in den Bus und fuhren in das Bibelzentrum. Die gute Verpflegung mit Brötchen am Vormittag und hausgemachten Kuchen am Nachmittag im „Blauen Haus“ motivierte sie vielleicht noch und auch die Aussicht einen etwas lockereren Tag während der Grundausbildung zu erleben als sonst in der Kaserne, entschädigte möglicherweisen etwas für den sonst befürchteten trockenen und lebensweltfernen Ausflug in ein Bibelzentrum.

Bereits bei der ersten Runde in der Kapelle des Hauses und der Geschichte tauten manche auf, wenn sie erfuhren, dass der Georg nicht nur Schutzpatron der Kranken und Gebrechlichen war, sondern durch seinen Heldenmut und Kampf gegen den Drachen auch als Schutzpatron der Soldaten galt. Je multinationaler die Gruppen waren, desto weniger überraschend war es, dass Namen in unterschiedlichen Sprachen verschiedentlich lauten konnten. Da war die Verbindung vom Jürgen oder Jörg zu Georg oder Jurek und Schorschi selbstverständlich. Dass sie dann auch noch den Hintergrund des besonders bei den Sanitätergruppen bekannten Funkspruchs „Christoph, bitte kommen“ verstanden und in Verbindung zu der wieder hergestellten Wandmalerei des Heiligen Christophorus brachten, ließ das Eis bei einem Teil der jungen Soldaten schmelzen.

„Ob es denn auch hier versteckte Schriften gäbe und solche, die den ganzen Glauben der Kirche als Erfindung entlarven würden“ oder zumindest mal ein Buch, wo alles wirklich drinstünde, waren nicht selten gestellte Fragen. Tatsächlich waren diese Fragen die Steilvorlage, über die Textwerdung des biblischen Kanons und die Überlieferungsgeschichte etwas erzählen zu können, bis dahin, dass einzelne der damals noch fast überwiegend männlichen jungen Soldaten in die Schritte der Exegese eingeführt werden konnten. Aus einem siegessicheren Lächeln, dass tatsächlich „alles erfunden“ sei, wenn es doch nicht nur einen Schöpfungsbericht gäbe, wurde nach einem ungläubigen Staunen darüber, dass ein Pastor ganz frei bekundete, was in dem einen Kapitel geschrieben stand mit dem nächsten Kapitel ganz anders dargestellt wurde zu einem interessierten Weiterfragen, nach weiteren Beispielen in der Bibel.

Jens D. Haverland

Ich erinnere mich an einen Rekruten, der zu Beginn des Besuchs deutlich desinteressiert hinter seiner Einheit her schlurfte und mit dem sich auf seine sichtlich herausfordernd gemeinten Frage „Aber Sie glauben doch auch nicht alles, was in der Bibel steht?“ ein spannendes Gespräch ergab. Wir kamen in immer wieder unterbrochenen Gesprächsfetzen schließlich zu der Weihnachtsgeschichte. Bass erstaunt war der junge Mann, als ich ihm zustimmte, dass die Geburt Jesu, so wie die Krippendarstellung seiner Oma es in seinen Kindertagen zeigte, mit Hirten und Königen, Esel und Rind und dem schneebepuderten Stall bestimmt nicht zugetragen hätte. Es auch so an gar keiner Stelle der Bibel zu lesen sei.  Offensichtlich war ein muslimischer Kollege unserem Gespräch gefolgt und schaltete sich an dieser Stelle in das Gespräch ein. Jesus, also Isa ibn Maryam sei unter einer Palme geboren worden und die ganzen Geschichten mit der Ankündigung durch einen Engel, die kenne er auch. Plötzlich waren die beiden Soldaten im Gespräch miteinander. Am Ende der Einheit, als es für diese Gruppe hinüber ins blaue Tagungshaus gehen sollte, war es jener junge Mann, der sich als letzter in den Ausstellungsräumen mit den dicken historischen Büchern aufhielt. Er hätte da nochmal eine Frage: wo man das denn alles nachlesen könne und ob ich ihm ein Buch empfehlen könnte. Es wurmte ihn, dass sein muslimischer Kollege so viel mehr zu berichten wusste als er selbst. Glücklicherweise hatten wir im Buchladen des Bibelzentrums noch das passende Buch, so dass er dieses kaufte und zügig unter seinen Marinemantel steckte, ehe er sich ausführlich bedankte und zu den in aussichtgestellten geschmierten Brötchen in das Tagungshaus aufmachte.

Es war die gleiche Ausbildungsgruppe, aus der ein junger Kerl, der offensichtlich schon vor Dienstantritt äußerst erfolgreich im Fitnessstudio war, nicht nur durch seine körperliche Fitness hervorstach, sondern auch sonst um die Gruppe amüsierende Antworten nicht verlegen war und mit frotzelnden Bemerkungen zum Ausdruck brachte, dass er sich Besseres vorstellen konnte, als jetzt noch eineinhalb Stunden in einer vermeintlich langweiligen Bibelausstellung verbringen zu müssen.

Wie mit den meisten Rekrutengruppen wollte ich auch mit dieser Gruppe im Dachgeschoss in der Erlebnisausstellung „plus minus zehn“ enden. Da sich offensichtlich über die vorherige Gruppe schon die Kunde von einem Maschinengewehr im Dachgeschoss verbreitet hatte, lag mir daran zunächst an einer anderen Station zu beginnen. So begann ich meine Einführung in die Ausstellung über die zehn Gebote an der Mehrgenerationenstation. Anhand einer Taucherbrille mit gefärbten Gläsern, einem Lärmschutz-Kopfhörer und einem Overall mit eingenähten Gewichten, kann dort ein Eindruck gewonnen werden, wie es ist, wenn im Alter die Sehkraft nachlässt. Auf meine Frage nach einem Freiwilligen wurde eben jener, aufgeweckte und fitte Kamerad von den Kollegen vorgeschlagen. Unter reichlich witzigen Bemerkungen zog er sich die Brille auf und fing bereits spielerisch an zu torkeln. Unter großem Hallo und der Assistenz zweier Kameraden zog er schließlich auch den Overall mit den eingenähten Gewichten an. Er hatte sichtlich daran zu tragen, spielte aber weiterhin den Betrunkenen. Nun bekam er die Aufgabe die Holztreppe hinunter und wieder heraufzukommen. Zog er unter Anfeuerungsrufen der Kameraden noch mit einem flotten Spruch auf den Lippen los, mühte er sich letztlich mühsam die letzten Stufen wieder hoch und ließ sich mit einem lauten Plumpsen auf den Holzfußboden fallen. Als er sich dann zum Abschluss auf einen bereitgestellten Hocker setzen sollte, gelang ihm dies nur noch mit Hilfe. Neben seiner körperlichen Anstrengung ließ auch sein nachdenklicher Gesichtsausdruck spüren, dass es in ihm arbeitete. „Ganz ehrlich, alleine hätte ich es nicht mehr auf den Stuhl geschafft“ meinte er. „Kein Wunder, dass mein Oppa bei allem so lange braucht“ schob er leise hinter her und etwas lauter zu seinem Kollegen, der mit einem Spruch darauf reagierte „Ne jetzt ohne Witz, da is doch klar, dass man den Herrschaften einen Platz im Bus frei macht, selbst wenn se nich wollen!“.

Ebenfalls in der Erlebnisausstellung fand sich eine Klasse vor dem großen Bild mit dem Gerücht von Weber und den über Mikrophone eingespielten Gesprächsfetzen plötzlich mit einem ganz aktuellen Problem der Klassengemeinschaft konfrontiert. Es ist dem Feingespür der Klassenlehrerin zu verdanken, die sofort die Situation begriff und die Gunst der Stunde ergriff. Nach einer kurzen Rückfrage „Darf ich mal ganz kurz“ wählte sie diesen anderen und unvorbelasteten Ort zur Aufarbeitung eines Konflikts, der vor einigen Wochen die Klassengemeinschaft beschäftigt hatte und offensichtlich noch nicht ganz überwunden war. Das Gebot „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden, wieder deinem Nächsten“ brauchte für diese Schülerinnen und Schüler aus der Generation der Digital Natives keine weitere Erläuterung mehr. Sie wunderten sich höchsten noch darüber, wie fortschrittlich und aktuell die alten Texte der Bibel sein konnten.

Eine Erfahrung, die wahrscheinlich viele Besucher des Bibelzentrums eint. Aber auch eine Erfahrung, die zeigt, es braucht Menschen, die den richtigen Moment erkennen und Übersetzungshilfe leisten, wenn die Erkenntnis quasi schon in der Luft liegt. Aber es braucht auch Räume und Orte, wie das Bibelzentrum oder alte Kirchgebäude, in denen gelebter Glaube in der Luft liegt oder an Steinen haftet, so dass er inhaliert und begriffen werden kann. Es braucht Museen, Archive, Bibliotheken und Galerien, denen man vielleicht eher pflichtbewusst oder notgedrungen einen Besuch abstattet, obwohl man kaum Neues, Spektakuläres oder Abenteuerliches erwartet und dann plötzlich doch diesen Schlüsselmoment erlebt und ein Transfer zur eigenen Lebenswirklichkeit geschieht oder Lebenssituationen durch die Verfremdung des anderen verstanden und interpretiert werden können. Nichts anderes sind eigentlich die Texte der Bibel: Sammlungen von Lebensgeschichten von Menschen, die Gottes Nähe erlebt und seine Zuwendung gespürt haben. Galerien von Menschen, die Gottes Nähe erlebt und seine Zuwendung gespürt haben und diese in Worte festgehalten haben. Museen, in denen die erzählten Geschichten von Menschen aufgehoben sind und sich mit dem eigenen Leben verbinden, wenn man sie öffnet und liest. Eine ganze Bibliothek in einem Buch, in der man nicht jeden Band gelesen oder in der Hand gehabt haben muss, aber je mehr man weiß, desto mehr man versteht und sich selbst erschließen kann. Wenn es dann noch den einen bisher vielleicht noch unbekannten Kameraden gibt oder die andere aufmerksame Lehrerin, der oder die von eigenen Erfahrungen und Sichtweisen berichtet, dann ist das die Gemeinschaft, die wir in Kirchen und Kirchengemeinden heute auch erleben und als Kirche leben.

Und auf die Frage, warum man das nicht schon längst gewusst oder erlebt hat oder warum man ausgerechnet bei diesem Besuch das so zu spüren bekommen hat bzw. was es war, dass einem in diesem Moment die Augen und den Verstand geöffnet hat, dann kann man im Sinne der biblischen Geschichten mit Fug und Recht antworten, dass es Gott war, den man da grade entdeckt hat und der sich hat entdecken lassen.

Im Heft 6 der Reihe “LandeBarth”, erschienen im Jahr 2014, schreibt Tim Pröschold:

Kurz nach Wiederherstellung der deutschen Einheit wurde ich (Hans-M. Harder, Konsistorialpräsident i. R.) u. a. Mitglied im Finanzausschuss der Deutschen Bibelgesellschaft Stuttgart, deren Vorsitzender damals Dr. Meurer war. Wir hatten uns bald angefreundet, vermittelt durch unseren Kollegen und Freund Dr. Becker aus Düsseldorf. Dr. Meurer machte uns bald den Vorschlag, die von Johannes Rau ins Leben gerufene „Kulturstiftung“ zu bitten, in dem neuen Land Mecklenburg-Vorpommern den jährlichen Bibelwettbewerb der Schulen durchzuführen. Das wollten wir gerne aufnehmen. Und unser Bildungsministerium unter Prof. Kauffold war dazu sofort bereit. Dafür zuständig war dort Ministerialrat Ulrich Hoiczyk, der sich mit ganzem Einsatz an die Arbeit machte. Ihm zur Seite stand dabei Frau Ministerialrätin Luise Dumrese, die ebenfalls Initiative entwickelte. In unserem Konsistorium nahm das Frau OKRn Almut Klabunde mit viel Umsicht in die Hand. Dieser Bibelwettbewerb wurde ein großer Erfolg und im Sommer fand die Preisverleihung im Güstrower Schlosshof statt, zu der der Vorsitzende der Kulturstiftung, damals noch als Ministerpräsident Johannes Rau anreiste und die Preise übergab.

Am Abend des Tages saßen wir noch in einer kleinen Runde zusammen, um den Tag auszuwerten. Dabei machten wir uns klar, dass die Kulturstiftung erst wieder tätig werden würde, wenn alle anderen Bundesländer auch berücksichtigt wurden. Daher machte ich den Vorschlag, dass wir den Bibelwettbewerb in eigener Regie in regelmäßigen Abständen durchführen. Das fand viel Zustimmung und wird inzwischen ja auch so praktiziert.

Als ich Dr. Meurer davon erzählte, war er begeistert von so viel Erfolg bei der Verbreitung der Bibel nach der „Wende“. So machte er mir den Vorschlag, 300 TDM aus Mitteln der Bibelgesellschaft zur Verfügung zu stellen, um damit die Verteilung von Bibeln an den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern zu finanzieren (natürlich war dabei an solche aus dem Bestand der Bibelgesellschaft gedacht). Ich fand aber, dass man mit 300 TDM eigentlich noch mehr machen müsste.

So sprach ich darüber mit dem Leiter unseres Bauamtes, Kirchenoberbaurat Gunther Kirmis und machte den Vorschlag, die recht dürftige Präsentation der Barther Bibel im Turm der Barther Kirche damit zu verbessern. Aber er hatte noch einen besseren Vorschlag: Wollen wir damit nicht lieber ein Bibelzentrum in St. Jürgen in Barth einrichten? Dieses Hospiz kannte ich bis dahin noch gar nicht. Und der Zustand damals war auch tatsächlich ziemlich unbeschreiblich.

Aber die Idee war geboren! In Barth wurde ein Kuratorium gebildet unter Leitung der damaligen Superintendentin A. Pilgrim. Auch hier war U. Hoiczyk von Anfang an dabei und das Bildungsministerium nahm sich der Sache mit an. So standen Kirchengemeinde, Kirchenkreis, Landeskirche und Land hinter dem Vorhaben, das sehr bald Fahrt aufnahm und natürlich auch gemeinsam finanziert wurde.

Allerdings die ursprünglich zugesagten 300 TDM der Bibelgesellschaft kamen gar nicht mehr zum Einsatz. Inzwischen hatten wir den Euro, Dr. Meurer lebte nicht mehr und in Stuttgart wurden andere Prioritäten gesetzt. Aber die Berliner Bibelgesellschaft begleitete das Vorhaben mit Rat und Tat.

Heute befindet sich dort eine sehr ansprechende Bildungseinrichtung, die den Gedanken der Verbreitung der Bibel unter unseren Bedingungen hervorragend aufgenommen hat. Aber wenn ich den Hinweis auf der Autobahn sehe, denke ich auch gerne und mit etwas Stolz an diesen Teil unserer Arbeit im Greifswalder Konsistorium.

Kinder mit Schwungtuch im Garten des Bibelzentrums (2007).

Vom Bibelzentrum Schleswig kam der nachstehende Gruß:

Christel Schuchardt berichtet:

Ich kann mich noch erinnern, dass in dem Gebäude einige ältere Bürger wohnten – etwa in den 1970-er Jahren. Ich arbeitete zu der Zeit bei der Volkssolidarität, und wenn diese Leutchen sich nicht mehr allein versorgen konnten, gab es Hilfe durch eine Hauswirtschaftspflegerin.

Ruth Hoff

Oh, schon 20 Jahre Bibelzentrum – wie die Zeit vergeht. Ich bin Freundin des Bibelzentrums seit der ersten Stunde. Schon in der Bau- und Herstellungsphase hieß es für uns damals „Putzen, putzen, putzen…“. Mit Elan und großer Freude wurden die Ärmel hochgekrempelt. Arbeit gab es ja immer genug. Gern war ich da, wenn helfende Hände gesucht wurden. Stolz und glücklich bin ich, wenn ich heute sehe, was aus den Anfängen geworden ist. Ein offenes Haus, mit tollen Mitarbeiterinnen, für Alle! Ich komme immer gerne ins Bibelzentrum, um die eine oder andere Veranstaltung zu besuchen.

Aus dem Jahr 2001 stammt der Bericht über Grabungen am künftigen Bibelzentrum.

Bibel kommt nach St. Jürgen zurück (Bericht aus dem Jahr 2005)

Seit gut drei Jahren ist die Barther St. Jürgen-Kirche Heimat des Niederdeutschen Bibelzentrums. Jetzt kehrt ein Luther-Bibelexemplar (1797) in das Haus zurück, für das es 1820 bestimmt war. Grund ist allerdings nicht die heutige Bibelausstellung, sondern eine historische Bestimmung.
Die St. Jürgen-Kirche, Gotteshaus einer um 1320 entstandenen Quarantäne-Station vor den Barther Stadttoren, war in den vergangenen zwei Jahrhunderten als Wohnstätte genutzt worden. Aus den kleinen Zimmern im Bereich des ursprünglichen Kirchenschiffes konnten die Bewohner zu Gottesdienst und Andacht direkt in den Chorraum gelangen, der erhalten blieb. Bis Ende der 1980iger Jahre war das ehemalige Barther Hospital bewohnt. Allerdings befanden sich die Zimmer zuletzt in einem erbarmungswürdigen Zustand. Zu den Bewohnern, die ab 1985 nach und nach auszogen, gehörte auch Walter Luchs. Er hatte die Bibel, für den Gottesdienst in St. Jürgen bestimmt, bei sich aufbewahrt. Für die letzten Jahre seines Lebens im Haushalt von Tochter und Enkel in Barth untergekommen, gelangte das Bibelbuch dort in den Bücherschrank. Jürgen Bergunde, der Enkel, übergab die Heilige Schrift, nachdem er sie dem St. Jürgen-Hospital zuordnen konnte, nun dem Bibelzentrum. Nach fast zwanzig Jahren kehrt so eine Bibel unversehrt an ihren Bestimmungsort zurück.
Bemerkenswert ist nicht so sehr das Alter des Buches. Es stammt aus einer Auflage der von Cansteinschen Bibelanstalt in Halle aus dem Jahr 1797. Vielmehr machen – wie so oft – die Biografie und die Umstände den Gegenstand zum Schatz.
Der damalige Barther Superintendent Werner überreichte 1820 den Bewohnern des Hospitals diese Bibel „zum Gebrauch des Vorlesers bei den zur gemeinschaftlichen Andacht bestimmten wöchentlichen Zusammenkünften“ als Geschenk der Barther Bibelgesellschaft.
Diese Bibelgesellschaft war 1816 in der Boddenstadt gegründet worden.

Zeitgenössische OZ-Meldung: Alte Kirche St. Jürgen in Barth wird zum Niederdeutschen Bibelzentrum umgebaut. Johannes Pilgrim zeigt in der früheren Kaminküche die spätere Cafeteria.

Der Barther Chronist Wilhelm Bülow schrieb in seiner 1922 erschienenen Stadtgeschichte: „Zu dieser Zeit wohnte in Barth der Herr von Mevius, ein frommer Mann, der damals durch seinen regelmäßigen Kirchenbesuch besonders bekannt war. Er hatte in der unruhigen Franzosenzeit seine Güter Zarrentin und Kirch-Baggendorf verkauft und sich in Barth zur Ruhe gesetzt; hier gründete er 1816 die noch jetzt bestehende Barther Bibelgesellschaft…”

Seit Mitte August 1816 war der umtriebige britische Reverent Ebenezer Henderson von der Englische Bibelgesellschaft durch Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg- Strelitz und Vorpommern, so auch nach Barth gereist, um dort die Gründung von Bibelgesellschaften anzuregen.

Heute ist die Barther Bibelgesellschaft Geschichte. Auch die über die DDR-Zeit für die Evangelischen Kirchen hierzulande segensreich tätige Evangelische Haupt-Bibelgesellschaft in Berlin musste Ende vergangenen Jahres ihren Betrieb einstellen. Allerdings kam es in Barth erneut zur Gründung eines Vereins, der sich die Verbreitung der Bibel zur Aufgabe gemacht hat. Die Pommersche Bibelgesellschaft, die am 20. Oktober 2004 in der Boddenstadt gegründet wurde, hofft nun auf Mitglieder. Eine ihrer Aufgaben wird die Arbeit des Barther Bibelzentrums sein. Das ist nun im Besitz einer weiteren spannenden regionalen Bibelgeschichte, die ein Netz knüpft zwischen einem Haus mit Geschichte, dem Buch der Bücher und Menschen, die es für ihr Leben nutzen. 

Widmung in der Bibel:
Die Bibel – ungebunden – ein Geschenk der Barthschen Bibelgesellschaft besonders an das Hospital St. Georg, zum Gebrauch des Vorlesers bei den zur gemeinschaftlichen Andacht bestimmten wöchentlichen Zusammenkünften der Hospitaliten.

Barth 6. November 1820

übergeben von J.E. Werner, Superintendent

In der Ausgabe der Reihe “LandeBarth” von 2010 (Nr. 2) steht ein noch ausführlicherer Artikel zu diesem Thema:


Mehrere Filmbeiträge über das Bibelzentrum entstanden in den vergangenen Jahren. Hier können Sie auf einige Filme von nebelkalt-film BARTH sowie von den TV-Sendern NDR und MV1 zugreifen.

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Bibelzentrum vor der Fertigstellung – September 2001

Im September 2001 – etwa vier Wochen vor der Eröffnung des Bibelzentrums – filmte Bernd Rickelt aus Barth bei den Bauarbeiten und interviewte die damalige Leiterin Cornelia von Uckro und den religionspädagogischen Mitarbeiter Johannes Pilgrim. Dieser Filmbeitrag enthält die ungeschnittenen und unbearbeiteten Aufnahmen der Filmsession. Die meisten Sequenzen wurden bisher noch nicht veröffentlicht.


Bibelzentrum in Film- und Fernsehaufnahmen – Kompilation aus dem Jahr 2012 (Material von 1961 bis 2012)

Aus aufgefundenem Video- und Filmmaterial entstand diese Zusammenstellung. Dieser Film wurde mehrere Jahre im Eingangsbereich des Bibelzentrums gezeigt.


Ein Haus für ein Buch (Teil 1) – Produziert 2014

Ein dreiteiliger Mini-Film entstand 2014.


Ein Haus für ein Buch (Teil 2) – Produziert 2014


Ein Haus für ein Buch (Teil 3) – Produziert 2014


Ein Boogie für Bugi – Der Bugenhagen-Musical-Film – Produziert 2017

Die Gospelgruppe “Engelspierken”, geleitet von Bibelzentrumsleiterin Nicole Chibici-Revneanu, wurde während der Produktion des Bugenhagen-Musicals vom Team “nebelkalt-film BARTH” begleitet.


NDR-Nordtour im Bibelgarten Barth (2017)


Treckeltied im Bibelzentrum – TV-Sender MV1 – 2018

Der Sender MV1 zeigte in seinen Kulturtipps diesen Werbetrailer.


“Durchkreuzte Wege” – Musical der Pommerschen Engelspierken

Auszug aus dem Musical (Musik und Leitung des Chores Nicole Chibici-Revneanu) in einer Aufnahme aus dem Jahr 2019


NDR-Bericht – Gesendet 2019

Der Norddeutsche Rundfunk berichtete im März 2019 über das Bibelzentrum Barth.


Sympathie für die Rose – TV-Sender MV1 – 2020

In den Kulturtipps von MV1 wurde dieser Beitrag gesendet.


Werbetrailer für das Bibelzentrum Barth (2020)

Für die Auftritte des Bibelzentrums Barth in den sozialen Netzwerken entstand dieser Werbefilm.


Der Erlebnisbereich Niederdeutsch – Produziert 2020

Zur Eröffnung des Niederdeutsch-Bereiches wurde dieser Beitrag auf der Internetseite des Bibelzentrums veröffentlicht.


Der Tatort-Gottesdienst vom 31. Januar 2021

In der Corona-Zeit entstand im Januar 2021 mit Hilfe des Zoom-Programmes dieser Tatort-Gottesdienst, gestaltet vom Bibelzentrum Barth, der evangelischen Kirchengemeinde St. Marien Barth und den Pommerschen Engelspierken.


Der Sommer-Tatort-Gottesdienst vom 19. Juni 2021

Der Sommer-Tatort-Gottesdienst im Jahr 2021 verspricht wieder viel Spannung und Spaß. Das Bibelzentrum Barth und seine Mitstreiter haben diesen Film produziert.


Die Nr. 12 der Reihe “LandeBarth”, herausgegeben 2020, beinhaltet unter anderem diesen Artikel von Nicole Chibici-Revneanu:

Verschiedene Rundfunksender berichteten über das Bibelzentrum Barth. Einige der Beiträge sind hier zu hören.

 


NDR 1 – Pflanzen im Bibelzentrum (Juni 2006)


NDR 1 Radio MV – Bert Lingnau berichtet (Oktober 2006)


NDR info – Michael Hollenbacher interviewt Johannes Pilgrim (Oktober 2009)


Radio FDZ – Barther Ofenkacheln (Interview mit Stephanie Mählmann) (Februar 2010)


NDR 1 – Silvana Mundt über “Lebensworte” (Mai 2015)


NDR 1 – Heike Mayer berichtet über Schüler im Bibelzentrum (August 2015)


Radio Paradiso – Bibelzentrum – Teil 1 (2016)


Radio Paradiso – Bibelzentrum – Teil 2 (2016)


Radio Paradiso – Bibelzentrum – Teil 3 (2016)


Radio Paradiso – Bibelzentrum – Teil 4 (2016)


Radio Paradiso – Das Bibelzentrum in Barth (2016)


Ostseewelle – Bibelzentrum – Teil 1 (2019)


Ostseewelle – Bibelzentrum – Teil 2 (2019)


Ostseewelle – Musical im Bibelzentrum (2019)


Ostseewelle – Die Schatzkiste des Bibelzentrums (2021)


NDR 1 Radio MV – Heike Mayer interviewt Max Habermann (Langfassung aus “Plattdütsch am Sonntag” – 2021)


So mancher Hausbesitzer im Barther historischen Stadtkern wird bei Erdarbeiten auf seinem Grundstück auf Scherben gestoßen sein. Meist unbeachtet, landen diese im Container und werden entsorgt. Ein genauer Blick auf das Gefundene hätte Erstaunliches ans Licht bringen können…

Stephanie P. Mählmann

Das Barther Stadtarchiv zeigte im März 2010 in der Kapelle St. Jürgen im Bibelzentrum Barth die Ausstellung “In Ton gebrannt – ins Bild gebannt”. Die Idee und Umsetzung erfolgte gemeinsam mit der Archäologin Marlis Konze und dem Religionspädagogen Johannes Pilgrim Bei den Ausstellungsstücken handelte es sich um Ofenkacheln mit christlichen und herrschaftlichen Bildprogrammen…

Der Flyer zur Ausstellung:

Ein Artikel zur Ausstellung aus der Reihe “LandeBarth” (Ausgabe 2 von 2010):


Im Heft 10 der Reihe “LandeBarth”, erschienen 2018, ist von Nicole Chibici-Revneanu zu lesen:

Zeitzeugen zur Geschichte des Hauses waren bereit, sich in Videointerviews befragen zu lassen. Die wichtigsten Ausschnitte der Filminterviews werden hier gezeigt.

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Eckard Kunsch, Pastor von 1975 bis 1997 in Barth:

 

Monika Kock, ihre Großeltern und die Tante wohnten hier in der “Alten Kirche”:

 

Käthe Lormuß, ihr Garten lag in den 1950er-Jahren hinter der Alten Kirche:

 

Jürgen Ott, Hobbyfotograf und zeitweise Wohnnachbar:

Im August 2021 erinnerte sich Johannes Pilgrim an eine Geschichte aus den 2010er-Jahren:

Setzkästen & Co. aus Gütersloh

Schwergewichtiges Geschenk fürs Barther Bibelhaus

Immer wieder begegneten den Mitarbeitenden im Barther Bibelzentrum Besucherinnen und Besucher als „Wiederholungstäter“. In den Jahren um 2010 gehörte dazu ein Herr, der bei Bielefeld wohnte, seine Wurzeln aber im mecklenburgischen Bützow hatte und daher zwischen NRW und MV pendelte. Dieter Luchs kam mehrmals als aufmerksamer Besucher ins Bibelzentrum und zeigte sich in Gesprächen sehr engagiert, fand unsere Arbeit, wie er sagte, wichtig, gut und inspirierend. Er war Diplom-Kaufmann und Diplom-Ingenieur und in seinem Berufsleben jahrzehntelang beim Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn angestellt. Anlässlich eines Besuches erzählte er, dass er von seiner Gütersloher Druckerei privat diverse Druckutensilien übernehmen konnte, als die Drucktechnik modernisiert und umgestellt wurde. Nun stand – inzwischen war er Rentner – in seinem Keller zuhause eine komplette Setzerei, die er dem Barther Bibelzentrum als Geschenk anbot. Wir hatten im ersten Obergeschoss mit Eröffnung der Ausstellung den kleinen Raum, der einst als Küche für die Bewohner dort fungierte, zur Druckwerkstatt ausgebaut. Dankmar Bumblies, Barther Tischlermeister, hatte in den Jahren vor 2001 in massiver Eiche den schön anzusehenden und funktionstüchtigen Nachbau einer Gutenberg-Presse gefertigt, um den herum wir Utensilien zum Thema Buchdruck gruppierten. So ist der Raum bis heute zu besichtigen und zu benutzen.

Uns erschien das Angebot von Dieter Luchs sehr verlockend, auch eine Setzerei zu zeigen. Schließlich funktioniert die Druckerei nicht ohne die vorherige Setzerei. Wir ahnten zwar gleich, dass es aus Platzgründen, aber vor allem aus statischen, schwierig würde, in die „Druckwerkstatt“ noch Setzkästen zu stellen, was uns Hausarchitekt Karl-Heinz Wegener auch sogleich bestätigte, wollten aber dennoch dieses Angebot nicht ausschlagen. Viel zu verlockend war die Perspektive, unseren Besuchern eines Tages die Materialien zu zeigen, die seit 1450 bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts die Grundlage aller technischen Schriftverbreitung – von der Bibel bis zur Zeitung – waren.

So verabredeten wir uns längerfristig mit Dieter Luchs im nordrhein-westfälischen Schloss Holte und fuhren am 14. April 2011 früh Richtung Bielefeld: Dankmar Bumblies mit seinem VW-Bus, einem lastenfähigen Anhänger, Verpackungsmaterial, vor allem mit seiner Umsicht und Fachkenntnis – und ich als Helfer und begeisterter Bibelzentrums-Verantwortlicher.

Um angesichts der weiten Fahrt „das Angenehme mit dem Nützlichen“ zu verbinden, hatten wir uns für den folgenden Morgen im nahegelegenen Dortmund-Olpe in der „Werkstatt Bibel“ zu einem Besuch mit Hospitation und Begegnung mit den dortigen Mitarbeitenden verabredet. Für die Nacht hatten sie uns eine Hotelübernachtung organisiert. Alles klappte wunderbar. Wir beide hatten auf dem weiten Weg Zeit zu intensiven Gesprächen, wie wohl überhaupt noch nicht, seit wir doch ab 1998 durch die umfangreichen Tischlerarbeiten beim Innenausbau von Sankt Jürgen und der Ausstellungseinrichtung, für die der Tischlermeister ständig tätig war, eng zusammenarbeiten.

Herr Luchs erwartete uns an jenem Donnerstag im April in seinem Keller mit den imposanten, wenn auch beinahe tonnenschweren Utensilien. Nach einem freundlich aufgetragenen Kaffee machten wir uns zu dritt ans Werk. Wir schleppten die – im wahrsten Sinne des Wortes bleiernen – Materialien auf die Straße, um sie auf den Anhänger und in den Bus zu laden. Sehr freundlich stärkten uns Dieter Luchs und seine Frau zwischendurch mit kalten Getränken.

Das alles war Geschenk: Die Idee, das Angebot, das gemeinsame Verladen, die Fahrten! Am Hotel in Dortmund sicherten wir die kostbare und schwere Last, so gut es ging. Am nächsten Morgen fanden wir Bus und Anhänger unversehrt vor. In der „Werkstatt Bibel“ erlebten wir Stephan Zeipelt und Sven Körber (beide hatten die Arbeit gerade erst vom langjährigen Leiter Pfarrer Hartmut Griewatz übernommen), wie sie zu zweit eine Schulklasse, die Mehrheit der Kinder mit Migrationshintergrund, informativ und kurzweilig an das Thema Bibel heranführten.

Am Mittag machten wir uns in Richtung Barth auf den Weg. Auch die Rückfahrt verlief angenehm und mit viel Gesprächsstoff. Wir hatten uns entschieden, die beinahe tonnenschwere Setzerei zunächst bei Dankmar Bumblies in dessen großer Werkstatt unterzustellen…

Dass dieser Zustand zehn Jahre und länger andauern würde, konnten wir damals nicht ahnen. Dankmar Bumblies ist für sein Engagement, seine Geduld und Umsicht bis heute sehr zu danken! Dem Dipl.-Ing. und -kaufmann Dieter Luchs sind wir für das großzügige Geschenk der traditionsreichen und altehrwürdigen Druckerei Gerd Mohn bis heute sehr dankbar! Endlich besteht – durch die geduldig-emsige Arbeit des Bibelzentrums-Teams – die Aussicht, sein damaliges Geschenk der Öffentlichkeit zu zeigen!

(Inzwischen wird an der Einrichtung einer Setzerei in einem Nebengebäude des Bibelzentrums gearbeitet…)

Einige Fotoimpressionen vom Materialtransport im Jahre 2011:

Engelspierken-Karawane, Musikalprobe März 2019 im Bibelzentrum Barth.

Man könnte denken, eine Karawane fällt ein. Ein Strom von Menschen jedweden Alters ergießt sich ins blaue Haus des Bibelzentrums. Gepäck, Instrumente, Brote, Gemüsekisten und Suppentöpfe werden hereingetragen, unterbrochen von Umarmungen und „Oh Hallo, schön Dich zu sehen, wie gehts“. Und überall wuseln Kinder herum.
Wir, die Engelspierken*, sind wieder dort, wo wir so gerne proben. Das blaue Haus des Bibelzentrums ist dafür fantastisch. Der große lichte Raum mit dem Blick auf St. Jürgen und den Bibelgarten… Geschichte und Neues vereint. Wenn man gerade Pause hat, hilft man gemütlich in der Küche aus und bekommt von dort aus noch alles mit, was im Proberaum so geschieht, oder schlendert durch den Bibelgarten und fragt sich, wie eine Gospelrose oder Mozartrose wohl so aussieht.
Wir proben zum ersten Mal das Stück „Durchkreuzte Wege*“. Lange und intensiv wurde daran gearbeitet, viele brachten etwas mit ein, und vor allem komponierte unsere Intendantin (wir meinen Nicole Chibici-Revneanu, die Leiterin des Bibelzentrums und natürlich unsere Chefin) alle Lieder speziell für uns. So, dass wir unsere Rollen auch wirklich singen können. Jetzt geht es los, und die große Überraschung ist das Saxofon. Gleich im zweiten Lied ertönt es und erobert uns.
Schwierig ist dann aber beim Proben das „Letzte Abendmahl“. Es soll so gestellt werden und aussehen wie bei Leonardo Da Vinci. Wie setzen wir das um? Requisiten wollen wir nicht mehr, das bringt zu viel Unruhe in eine Aufführung. Also kein Tisch, aber das ist eine Herausforderung für die Spieler. Viele Male werden die Akteure aufgestellt und die Positionen verbessert.

Doch die eigentlichen Stars sind die Kinder. Ihre Ausdauer beim Proben, ihre Freude am Tun ist deutlich zu spüren. Und sie kennen alle Texte, jedes Lied und haben alle Choreografien in null Komma nichts drauf.
Nur, wie setzen wir sie adäquat in Szene? Allzu oft steht ein erwachsenes Engelspierken auf der Bühne vor einem Kind. Vielleicht auch, weil das eine nicht gesehen werden will, während man nur an den Text denkt…
Achtsam mit Kids umzugehen will gelernt sein.
Und zwischendrin kommen inhaltliche Fragen auf: Zum Beispiel: Wie kann das sein, dass in der Szene Fußwaschung Jesus sagt: „Arme habt Ihr immer, doch ich werde gehen“, und so entstehen viele Gespräche über Bibelstellen und Glaubensfragen. Da ist dann auch die Pastorin in unserer Intendantin gefragt.

Fußnoten:

*Die Engelspierken sind ein Zusammenschluss aus einer vorpommerschen Laientheatergruppe und Sänger: innen des Gospelkombinats Nordost unter der Leitung von Nicole Chibici-Revneanu (Bibelzentrum Barth) und ist vor allem generationenübergreifend familiär spielerisch tätig.

*Das Musical „Durchkreuzte Wege“ erzählt die Tage nach Jesu Kreuzigung aus der Sicht der Jünger und der Familie Jesu, mit all ihren Fragen über Jesu Leben, Wirken, Sterben und Auferstehung.
(Hier klicken)

*Im März 2019 ahnten wir noch keine Pandemie. Inzwischen (also im Oktober 2021) haben wir ein sehr gefährliches Hobby, doch genau da zeigt sich unsere Freude an dem, was wir tun. Die Impfquote unserer erwachsenen Sänger: innen liegt bei über 90 Prozent und mit Hygieneregeln, Abstand und Tests sind wir wieder dabei, gehen auf Tournee in Schleswig-Holstein und freuen uns auf die weiteren Proben im Bibelzentrum für unser neues Musical: „Tobit“.

Vom Bibelzentrum Schleswig

ZUM  2O. GEBURTSTAG  DES  BIBELZENTRUMS  BARTH

Liebe Mitarbeitende, Freunde und Freundinnen des Bibelzentrums Barth! Was für eine Freude, zu diesem festlichen Anlass an Euch zu denken und all die Erlebnisse und Verbindungen Revue passieren zu lassen, die es im Laufe der letzten 20 Jahre miteinander gegeben hat! Verbindungen zwischen uns – den Bibelzentrumsgeschwistern im Norden und zwischen uns als Freunden.
Nun schreiben wir nicht mehr als die offiziellen VertreterInnen des Bibelzentrums Schleswig, aber das dienstliche und private Leben haben für uns über all die Jahre in Schleswig eng zusammengehört. Auch privat hat uns die Geschichte mit dem Bibelzentrum Barth und seinen Menschen bewegt und bereichert. Verbunden mit ganz herzlichen Glück- und Segenswünschen schicken wir Euch darum heute einige Notizen und Bilder zu gemeinsamen Erlebnissen für Eure „Schatzkiste“, die wir unter unseren „Schätzen“ in unseren Alben und Erinnerungsspeichern gefunden haben.

Wie alles anfing:

Als das Bibelzentrum Schleswig am 1. Mai 1994 seine Türen aufmachte, dauerte es nicht mehr lange, dass wir von der Idee eines Symposiums in Mecklenburg-Vorpommern hörten. Es ging um die mögliche kulturelle Nutzung des baufälligen Hospitals St. Jürgen mit Kirchraum in der Sundischen Straße in Barth und die Würdigung der kostbaren „Barther Bibel“ in einem „Niederdeutschen Zentrum“ für den Ostseeraum. Genaue Daten und Teilnehmende des Symposiums können wir nicht mehr aufzählen, aber dass da verwegene Zukunfts-Visionen für eine – aus damaliger Sicht – eher abgelegene nordostdeutsche Region entwickelt wurden, so viel erinnern wir noch. Von Anfang an hatten wir viel Sympathie für diese eher unwahrscheinlich wirkenden Pläne und für Menschen, die trotz zunächst fehlender Geldmittel und Netzwerke die Ärmel hochkrempeln, um guten Ideen zum Leben zu verhelfen. Steckten wir doch mit dem Bibelzentrum im St. Johanniskloster in ebensolchem Prozess!

Wie viele offene Fragen musstet Ihr im Laufe Eurer letzten 20 Jahre immer wieder klären! Und doch ging es immer weiter, mutig und kreativ, unter den besonderen Bedingungen der Kirche und des Landes Mecklenburg-Vorpommern, der Bibelgesellschaft, der Politik.

Früh kam es zum Austausch von Ideen und Umsetzungsmöglichkeiten zwischen uns, den „Nordlichtern“ unter den Bibelhäusern in Deutschland. Wir entdeckten bald, dass wir, was „Kirchen- und Bibelferne“ in unseren Ländern betrifft, viel gemeinsam hatten. So konnten wir uns im Austausch bibelpädagogischer Projekte und Anstrengungen gut ergänzen.

Gemeinsame Arbeitsfelder

Niederdeutsch

En lütt Beleewnis ut uns´Arbeid vörweg: En Föhrung mit öllere Lüüd dör dat Schleswiger Bibelzentrum. Een Mann steiht vör de Glasvitrin, wo de Bugenhagen-Bibel vun 1534 opslagen is. Een vun uns seggt to em: „Lees doch mal en Stück vör!“ He stamert denn eerst so´n bet mit dat Middelnedderdüütsch rüm, aver denn röppt he op eenmal: „Dat is jo Plattdüütsch!“ Un foorts is dor en Snack in de Gang över Bibel un Plattdüütsch un Reformatschoon un all sünd se hellwaak bi de Saak.
Dat verbinnt uns mitenanner: uns beide Bibelhüser in Schleswig un Barth: dat Nedderdüütsche! Beide hebbt wi jo mit dat Thema „Bibel un Plattdüütsch“ to doon. In Schleswig gifft dat en ganse Regalwand mit Literatur över Plattdüütsch un Kark.  Plattdüütsche Bibeln sünd dor to sehn vun´t Middelöller bit hüüt – natürlich ok de Jessen-Bibel vun Schleswig (1933; 11. Oplaag 2006) un dat Ni Testament vun den Meckelbörger Ernst Voss (1929; 5. Oplaag 2014). All dat helpt dorto, dat junge un öllere Lüüd wedder Lust kriegt to de Bibel un to de Spraak, wo ehr Öllern un Vöröllern mit groot woorn sünd. Uns Schleswiger gifft dat en Geföhl, dat wi tosamen höört mit de Frünnen  in Barth – as Oostsee-Anwahners, as Spraak-Verwandte un nich toletz ok as Arwen vun Bugenhagen sien Reformatschoon. Em to Ehren hebbt wi 2008 geern mitmaakt bi dat Bugenhagen-Symposium in Barth (s. dat Bild ünnen!). Un nu freut wi uns al bannig op dat Jubiläum an´n 31. Oktober un sünd gespannt op de niee Nedderdüütsch-Utstellung in´t Bibelzentrum Barth.

Dieter Andresen leest ut dat Reformatschoons-Spill „De Verloren Söhn“ vun Burkard Waldis (1527)

Ausstellungskonzepte und Design

Bibel-Transfer in die heutige Lebenswelt

Die Räume und Ausstellungen der beiden Bibelzentren im Norden sind von Anfang an den jeweiligen Orten angepasst und darum auch sehr verschieden eingerichtet worden. Es gab und gibt jedoch ein Wiedererkennen einzelner Exponate, Themen und Ideen:  Die Präsentation der Bugenhagen-Bibel, das mittelalterliche Schreibpult, die Gutenberg-Presse, Hörstationen, Bibelübersetzungen, der Raum für Andacht und Stille…

Wir erinnern uns noch gut: In unseren jeweiligen Anfängen schickte die Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart den Ausstellungsdesigner Gerhard Ostertag zur Beratung. Was im St. Johanniskloster Schleswig auf Ablehnung stieß: die in leuchtender Neonschrift an die alten Mauern gesetzten Bibelworte – fanden wir in abgewandelter Form im Dachgeschoss des Bibelzentrums Barth wieder. Das Ehepaar Ostertag hatte dort ein für damalige Zeit hochmodernes Ausstellungskonzept verwirklicht.
Museumspädagogik und Ausstellungs-Design heißen die Überschriften, unter denen wir Mitarbeitende in den Bibelzentren uns immer wieder versammelt haben, um uns gegenseitig anzuregen und mit den Erfordernissen der Zeit auseinanderzusetzen.

Bibelgarten

Das verbindet die Bibelzentren im Norden sehr: die Arbeit mit den biblischen Pflanzen! Dieses „niederschwellige“ bibelpädagogische Projekt auf dem Gelände des Bibelzentrums, das so viele Menschen anzieht und begeistert, weil sie mit allen Sinnen in die Welt und Umwelt der Bibel einsteigen können!
Wieviel sich daraus entwickelt hat: der Austausch von Saatgut und botanischem Wissen, gemeinsame Seminare zu den Düften der Bibel, Bibel-Buffet aus den Erzeugnissen biblischer Pflanzen, die Tage des „Offenen Gartens“, gemeinsam verantwortete Bibelgarten-Konferenzen, mobile Ausstellungen, die besondere Beachtung der christlichen Symbolpflanzen, der „Rosengarten“ in Barth, das Aufspüren von Pflanzen in den anderen beiden Schriftreligionen Judentum und Islam.

Haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende

Das waren die Highlights für die Mitarbeitenden in beiden Bibelzentren: die gegenseitigen Besuche! Das Kennenlernen der Menschen, Orte und Arbeits-felder, der Austausch unter Engagierten mit ähnlichen Interessen und Erfahrungen! Auf beiden Seiten die herzliche Aufnahme nach langer Reise und auch die Besichtigung der touristischen Attraktionen des jeweiligen Ortes.

Im Oktober 2004 fuhr die Schleswiger Gruppe nach Barth:

Im Februar 2008 kam die Barther Gruppe nach Schleswig:

Im Oktober 2013 gab es wieder einen Gegenbesuch der Schleswiger in Barth, und im November 2014 machte sich eine große Barther Gruppe wiederum nach Schleswig auf:

Viele schöne Erlebnisse hier wie dort ließen sich aufzählen. In besonderer Erinnerung blieb uns das sehr persönliche Gespräch mit allen darüber, wie im Osten und Westen die Zeit der Mauer-Öffnung erlebt wurde!

Kirchentage

 Als regionale Bibelzentren wurden wir einige Male aufgefordert, mitzuwirken am sog. Bibelzentrum des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Besonders intensiv war unsere Zusammenarbeit am Hamburger Kirchentag, als wir gemeinsam mit anderen Bibelhäusern Deutschlands die überarbeitete interaktive Bibelpflanzenausstellung Unter Feigenbaum und Weinstock in den Messehallen aufgebaut, verantwortet und betreut haben. Als biblische Feld- und Weinbergarbeiter und Marktfrauen verkleidet, betreuten wir die BesucherInnen am Marktstand in der Ausstellung, motivierten Kinder zum Mehl-Mahlen am Mahlstein und Erwachsene, Myrten- und Nardensalben auszuprobieren und biblische Rezepte abzuschreiben. Immer wieder waren durch die Messehallen die Schreie des Esels in der Ausstellung zu hören, der – wie wir erst beim Besuch der Barther in Schleswig erfuhren – ursprünglich aus Barth zur Bundes-Gartenschau in Potsdam und schließlich in die Ausstellungsräume des Schleswiger Bibelzentrums geraten war.

Fachkonferenzen und Tagungen

 Mehrmals haben die Mitarbeitenden der beiden nördlichen Bibelzentren die Fachkonferenzen der Deutschen Bibelgesellschaft und des Bibelgarten-Netzwerkes gemeinsam vorbereitet und sind sich auf Deutschland-weiten Geschäftsstellenkonferenzen und Hauptbereichstreffen der Nordkirche begegnet. Auch in diesem Zusammenhang war immer eine besondere Verbindung und das Verständnis für die Belange des jeweils Anderen zu spüren.

Bibelwettbewerbe

 Der Schüler- und Jugendwettbewerb Bibel heute der Stiftung Bibel und Kultur ist in den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg mehrere Male erfolgreich durchgeführt worden und hat zahlreiche spannende Begegnungen von Jugendlichen mit der Bibel ermöglicht. In Barth wurde er – mit Hilfe des Bildungsministeriums – sogar zu einem jährlich wiederkehrenden Ereignis. Wir haben uns dabei gegenseitig angeregt und beraten in der Auswahl der Themen, der Durchführung und der Preisgestaltung für die Gewinnergruppen.

Broschüren und Bücher

Das haben wir in Schleswig immer sehr vermisst: einen „Shop“, einen eigenen Raum, der die Möglichkeit bietet, Bücher und Broschüren zu den Themen der Arbeit, Schriftrollen, Schreibfedern und andere feine Dinge zu verkaufen. Trotzdem werden auch in den Büchernischen des Bibelzentrums Schleswig die schriftstellerischen Erzeugnisse und Fundstücke aus Barth verkauft, sowie die Barther Verkaufsstube die Erzeugnisse aus Schleswig anbietet – eine schöne Weise der Zusammenarbeit!

Jesusboot

Ein richtiges Abenteuer eines Länder überschreitenden „Brückenschlags“ zwischen den beiden Bibelzentren in Ost und West stand bevor, als im Jahr der Gründung der „Nordkirche“ (2012) das Schleswiger Jesusboot vom Hafen an der Schlei aufbrach, um mit wechselnden Mannschaften an der Ostseeküste entlang bis in den Barther Bodden zu segeln. Mit einem Himmelfahrts-Gottesdienst im Schleswiger Dom ging es los. An Pfingstmontag war ebenfalls ein Gottesdienst zur Ankunft am Hafen in Barth geplant. Von beiden Bibelzentren aus wurden die Stationen der Route vorbereitet, die Häfen, die Quartiere für die Mannschaft, Hafengottesdienste, Konfirmandenstunden und biblische Gutenacht-Geschichten an Bord. Nach einer ereignisreichen und unvergesslichen Fahrt mit vielen schönen Begegnungen und z.T. auf stürmischer See erlebten wir einen fulminanten Empfang in Barth.

Noch am gleichen Tag wurden wir Zeugen der pfingstlichen Zedernpflanzung durch Bischof Abromeit am Eingang des Niederdeutschen Bibelzentrums. Wir verbrachten noch einige schöne Tage mit den Barther Gemeindegliedern und den Mitarbeitenden des Bibelzentrums, bevor das Jesusboot mit dem Trailer zurück an die Schlei gefahren wurde.

Besondere Ereignisse

Feste, Jubiläen, Leitungswechsel

Die gegenseitigen Einladungen zu Festen und Jubiläen in den Bibelzentren haben jeweils viel kreatives Engagement bei den Eingeladenen ausgelöst: Lebendige Grußworte und Aktionen, Trompetenspiel und liebevolle Geschenke bereicherten die Feste auf beiden Seiten. Abschiede und Leitungswechsel waren auch für die Mitarbeitenden des jeweils anderen Bibelzentrums sehr bewegend.

Eine persönlich besonders schöne Erinnerung ist der kleine Sekt-Empfang anlässlich unserer Silberhochzeit am 2. November 2011 in der Gästewohnung des Barther Bibelzentrums! Alle Mitarbeitenden kamen zum Gratulieren. Wir waren gekommen, um das 10-jährige Jubiläum des Bibelzentrums (31. Oktober 2011) zu feiern und blieben für einige schöne Ausflugstage anlässlich unseres privaten Jubiläums.

Musicals

 Zweimal schon waren De Pommerschen Engelspierken mit großartigen Musical-Aufführungen in Schleswig – eine schöne Gelegenheit der gegenseitigen Bereicherung und Gastfreundschaft!

Bibelpädagogische Reise nach Siebenbürgen/Rumänien

 Dass es möglich wurde, noch vor all den Corona-Einschränkungen im November 2019 zu einer Bibelpädagogischen Begegnungsreise nach Siebenbürgen/Rumänien aufzubrechen, sehen wir im Nachhinein als ein großes Geschenk an.
Ob wohl eines Tages die bibelpädagogische Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in einem rumänischen Bibelgarten möglich sein wird?

Tierisches

 Von der Eselin Suleika war ja schon die Rede – ist sie doch auch als treue Begleiterin der Gute-Nacht-Geschichten am Nomadenzelt und der Aufführungen von biblischen Eselsgeschichten im Schleswiger Dom berühmt geworden!

Von Zugvögeln, die unser beider Landschaften prägen, ist in der Bibel nicht so viel zu lesen. Trotzdem haben sie besonders die Besucher der Schleswiger in Barth beeindruckt. Durchziehende Gänse sind wir auch im Schleswiger Land gewohnt, bewundern sie und lauschen ihnen gerne. Aber das Kranich-Schauspiel im Frühjahr und im Herbst an der vorpommerschen Küste hat uns alle besonders fasziniert! Die Beobachtung der einfallenden Schwärme, die in der Dämmerung ihre Schlafplätze auf den Inseln und Sandbänken der Bodden-Landschaft aufsuchen, und der Klang ihrer Rufe die ganze Nacht – das vergisst sich nicht so leicht!

Gisela und Dr. Dieter Andresen (Pastoren im Bibelzentrum Schleswig von 1993 bis 2018)

Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland haben im Rahmen des Projektes “Bibel und Minecraft” 100 Orte aus der Apostelgeschichte gebaut. Das Projekt des Bibelzentrums Barth rückt die Geschichten der ersten Apostel in ein spannendes, ungewöhnliches Licht. „Minecraft“ heißt das Computerspiel. Und in dem lassen die Mitspieler – fast wie mit einem Lego-Bausatz – am PC Städte und Landschaften entstehen, erzählen auf diese Weise Geschichten. 100 Orte aus der Apostelgeschichte haben die Kinder und Jugendlichen im Computerspiel “Minecraft” nachgebaut – und anschließend mit ihren Spielfiguren, den Skins, biblische Szenen nachgespielt.

Zwei Filme sind bisher in diesem Projekt entstanden.

Einer, der intensiv mitgebaut und mitgespielt hat, ist Fiete Braun. Für die “Schatzkiste” schrieb er diesen Text:

Mein Name ist Fiete (12 Jahre alt). Vom Bibel-Minecraft-Projekt hatte ich in der Zeitung gelesen und fand es sehr spannend. Daraufhin habe ich mich beim Bibelzentrum gemeldet, um zu fragen, ob ich mitmachen kann. Schnell habe ich mein erstes Grundstück bekommen und konnte anfangen zu bauen. Oft mit detaillierten Angaben aus den Bibelstellen und dem Internet, manchmal gänzlich ohne Vorgaben und mit großer Kreativität bauten wir Kulissen rund um die Schauplätze der Apostelgeschichte. Insgesamt konnten wir aus 107 Themen wählen (zum Beispiel “Petrus predigt in einer Synagoge in Damaskus” oder auch “Die Stadt Jerusalem”).

Die Themenliste (bitte klicken, dann öffnet sich die Liste)

Blick auf die Themenliste für die Minecrafter

Mit diesen Bauwerken drehten wir bisher zwei Filme. Auch gab es schon Minecraft-Gottesdienste.
Ich denke, ich kann für alle Minecraft-Mitspieler sprechen und sagen, dass das Bauen uns spielerisch die Bibel nähergebracht hat und wir dazu auch noch eine Menge Spaß hatten.
Wer mehr über Bibel-Minecraft erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, sich die Filme anzuschauen.
Liebe Grüße Fiete

Der erste Film: 100 Orte aus der Apostelgeschichte
Teil 1: Apostelgeschichte 1 bis 12 (produziert 2020, Neufassung produziert 2021)
Die Abenteuer der Freunde Jesu (bitte auf Vorschaubild klicken [Es gelten die Datenschutzbestimmungen von YouTube]).

Der zweite Film: 100 Orte aus der Apostelgeschichte
Teil 2: Apostelgeschichte 13 bis 28 (produziert 2021)
Paulus und seine Abenteuer – Mit Gott um die Welt (bitte auf Vorschaubild klicken [Es gelten die Datenschutzbestimmungen von YouTube]).

Wer mit dem Computerspiel “Minecraft” in die Welt der Bibel eintauchen möchte, biblische Geschichten nachbauen und sogar Filme drehen will, ist willkommen. Näheres erfährt man unter Mail: minecraft@bibelzentrum-barth.de.