Plattdeutsche Barther Bibel von 1588
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Großes Theater über eine brisante Situation 18.04.2016
Barth - Als der Schauspieler nach knapp 50 Minuten den Spielort verlässt, schweigt das Publikum. Verunsichert, erschüttert, ratlos. Betroffen. Dann aber löst sich die Stille auf, Beifall brandet auf. Etwa 50 Frauen und Männer danken dem Akteur für die faszinierende Interpretation des Stückes „Krieg: Stell dir vor, er wäre hier“. Die Besucher waren ins Barther Bibelzentrum gekommen - an einem Sonntagabend, an dem sich der Durchschnittsbürger entweder über den „Tatort“ freut oder ärgert, an dem viele mit Frust und manche voller Erwartung an die kommende Arbeitswoche denken.

Dass dann doch so viele den Weg zum „Theater im Bibelzentrum“ fanden – und das trotz (oder wegen) des sperrigen Stücktitels – macht die Einladenden froh: Die evangelische Kirchengemeinde St. Marien in Barth, das Niederdeutsche Bibelzentrum und – ungewöhnlich, aber recht schnell verständlich - die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt.

Die Inszenierung des Theaters Vorpommern ist brisant, so wie es auch das Thema ist. Ein Perspektivwechsel zeigt die Schrecken des Krieges, von Flucht und Vertreibung, veranschaulicht das hiesige Privileg, in Sicherheit und Wohlstand zu leben. Denn der 14-jährge Protagonist der Geschichte flüchtet aus Deutschland, weil hier Krieg herrscht, und er versucht mit seiner Familie in einem ägyptischen Flüchtlingslager ein neues Leben zu beginnen. Der Schauspieler Felix Meusel (29) hat am Sonntag im Bibelzentrum zwar einen kleinen Bonus, schließlich ist er in Barth groß geworden und wagte die ersten Schritte auf die Bretter, die die Welt bedeuten, in der Vinetastadt. Doch die Gnade der Geburt zählt auf der Bühne nicht, da muss Leistung gezeigt werden. Und die bekamen die Besucher in dem Einpersonenstück im Sekundentakt geboten.

Fast täglich ist Felix Meusel im ganzen Land mit dieser Aufführung unterwegs. Denn es ist ein so genanntes Klassenzimmerstück, wird in Schulräumen (jeweils 45 Minuten für das Stück und eine weitere Schulstunde für die Diskussion) gezeigt, vor jungen Leuten zwischen 14 und 18. Die Thematik ist in aller Munde, oft aber – so kann Meusel im Nachgespräch berichten – zeigt sich eine große Unkenntnis, werden wirre Gerüchte und Vorurteile von den Jugendlichen, die auf der Suche nach Wahrheiten sind, einfach kopiert und kolportiert. Da bedarf es der intensiven Einbeziehung des Publikums, auch der Provokation, der harten Fragestellungen. „Wenn sich dann nach dem Stück und der von uns angebotenen Diskussionsrunde ein paar der Schüler zur besseren Verständigung bekennen, auch Empathie zeigen, ist das schon ein Erfolg“, sagen Felix Meusel und die Theaterpädagogin Rhea Fischer.

Die Vorstellung in Barth also ist da schon etwas anders. Die erwachsenen Besucher lassen sich schnell auf die Situation ein, dass das Stück eigentlich für Schüler konzipiert ist. Sie agieren, manchmal verunsichert, manchmal überraschend, mit dem Darsteller. Felix Meusel zeigt die große Bandbreite seines Könnens. Er schreit und er erzählt leise, er lotet die Größe des Raumes aus, spielt zwischen den Stuhlreihen, singt berührend oder anklagend, vermittelt dem Publikum Emotionen. Großes Theater im kleinen Rahmen!

Die Diskussion danach ist spannend. Manche der Redenden haben Tränen in den Augen, eine Frau spricht über die große Angst, die sie beim Stück und dieser Geschichte überkam. Eine Besucherin ist froh und dankbar, dass die „Masse“ der Flüchtlinge hier plötzlich persönliche Namen und Gesichter bekommt. Eine ältere Dame erzählt über ihre Erfahrungen: Manchmal reiche schon ein freundliches Lächeln, wenn einem „Fremde“ begegnen. Eine Frau stellt klar: „Wer bitte schön musste bisher auf irgendein Stück Wohlstand verzichten, wem haben die so ungeliebten Ausländer denn etwas weggenommen?“.

Was es an dem Abend nicht gibt: Die hundertste Wiederholung von Unwissenheit und Unverständnis über die Flüchtlinge, die wilde Verbreitung von Verschwörungstheorien, die nur die eigene Unsicherheit verdecken. Denn fast alle, die hier sitzen, haben direkt oder indirekt etwas mit der Hilfe für Betroffene oder einfach auch nur mit Menschlichkeit zu tun. Und deswegen ist auch der Chef der Wohnungsbaugesellschaft hier, der sich mit Hilfe eines Vereins aktiv für die Flüchtlingshilfe engagiert. Es ist wohltuend, dass das Gespräch nicht in ein Schwarz-Weiß-Bild abgleitet. Viele Fehler habe die Politik gemacht, auch jeder Einzelne sei da nicht von Schuld freizusprechen. Doch einig sind sich die Gäste des Abends: Nur mit Verständnis, Empathie und Solidarität für Flüchtlinge, Migranten und Verfolgte kann man sinnvoll agieren. Gegen die Unkenntnis vieler Mitbürger muss mehr getan werden.

Das Stück „Krieg: Stell dir vor, er wäre hier“ des Theaters Vorpommern (Inszenierung: Ronald Mernitz) leistet hier wirklich einen großen Beitrag. Schade, dass von denen, die alltäglich über die Situation klagen und hetzen, keiner gekommen war. Es hätte den „besorgten Bürgern“ gut getan - nicht nur wegen eines beeindruckenden Theatererlebnisses.

Das Stück kann von Schulen und Bildungseinrichtungen in MV weiterhin gebucht werden unter
Theater Vorpommern: Tel. 03834 57 22 260 bzw. Hans-Dieter Heuer h.heuer@theater-vorpommern.de.

Text: HJM
Fotos: Gudrun Kleinjohann


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