Kindermusicals im Bibelzentrum Barth: Wie man ein Kindermusical mit nur zehn Kindern aufführt…

Dass Kinderchöre und vergleichbare Gruppen unter der Pandemie besonders gelitten haben, ist kein Geheimnis. Umso schöner war es, dass in diesem Sommer wieder zwei Musicalprojekte für Kinder und Jugendliche im Barther Bibelzentrum stattfinden konnten.
Katharina von Bora stand im Mittelpunkt der ersten Ferienwoche, deren Abschluss eine Aufführung von „Katharina Lutherin“ als Gartenmusical bildete.
Und wie gut, dass wir durch dieses Projekt schon ein wenig aufgewärmt waren! Das zweite Musicalprojekt des Sommers stellte uns nämlich vor die besondere Herausforderung, dass von den ohnehin nur sechzehn angemeldeten Kindern ganze sechs aus den verschiedensten Gründen kurzfristig ausfielen…

David bei Jonathan und Saul

Für alle, die sich womöglich eines Tages vor einem ähnlichen Problem wiederfinden, kommt hier der Leitfaden: „Wie man ein Kindermusical mit nur zehn Kindern aufführt“!

  1. Gelassene Grundeinstellung: Im Team waren wir uns einig: Wir gucken einfach, wie weit wir kommen. Wenn wir zwei Tage vor der geplanten Aufführung merken, dass es nichts wird, können wir immer noch absagen. Absagen sind in Pandemiezeiten kein besonderer Aufreger mehr.
  2. Zögerliche Zwischentöne: „Also, ich find’s doof, dass wir dieses Jahr so wenig sind!“, das mussten sich die meisten Angereisten am ersten Abend erst mal von der Seele reden. Aber sobald wir am nächsten Vormittag das Stück kennengelernt haben, war klar: Das ist jetzt unseres, für die nächsten fünf Tage – egal, wie viele wir sind! Und dann hat so eine kleine Besetzung ja auch einen großen Vorteil: Endlich können mal alle große Rollen spielen!
  3. Bereitwillige Betreuungspersonen: Nicht alle Rollen konnten mit Kindern besetzt werden. Aber zum Glück waren die Begabungen quer durch die Generationen reichlich verteilt: Küchenfee und Kirchenmusikerin machten sich als Jerusalemer Klatschweiber ganz hervorragend, und der Küchenfeenrich gab einen eindrucksvollen König Saul ab.
  4. Technische Tricks: Ja, gemogelt haben wir auch. Damit sich beim Kampf David gegen Goliath auch tatsächlich zwei Heere gegenüberstehen, gleichzeitig singen und tanzen konnten, hat uns der technisch versierte Religionspädagoge des Bibelzentrums vorab aufgenommen – und wir hatten beim Philisterkampf unsere eigene Karaoke-Version zum Draufsingen.
  5. Unkomplizierte Unterstützung: Wenn die Gruppe klein ist, kann man umso individueller Text lernen! Während die Hochleistungsschauspielerinnen ihre Hauptrollen miteinander geübt haben, hatte Vorschulkind Moritz seine große Schwester Saskia als persönliche „Sassistentin“. Und ein bisschen Unterstützung von der „großen“ Musicalgruppe am Bibelzentrum hatten wir auch: Per Digitalprobe haben auch einige Engelspierken die Lieder gelernt und sich bei der Aufführung unauffällig in die erste Publikumsreihe gesetzt…
  6. Fröhlicher Familienbesuch: Was die jungen Musicaldarstellerinnen und –
  7. darsteller auch sehr gestärkt hat, waren die Kuchen-, Eis- und Grillbesuche netter Eltern, Geschwister und Freunde. Manche von ihnen sind etwas länger geblieben als gedacht, was unmittelbar zum nächsten Punkt überleitet:
  8. Grandiose Gaststars: Mütter, Kusinen und Tanzpartner haben uns mehr oder minder spontan schauspielend oder musizierend unterstützt. Manche davon haben zuvor noch ein bisschen Probenzeit mitgenommen, andere Auftritte waren auch last-minute eine Bereicherung. Vielleicht hat es sich deshalb umso mehr angefühlt wie ein großes Musicalfamilienfest?
  9. Geschafft, Gott sei Dank! Beim gemeinsamen Gebet vor der Aufführung waren wir schon ganz schön aufgeregt – schließlich war der Saal des Bibelzentrums voll bis raus auf die Terrasse. Aber es wurde ganz wunderschön. Und Moritz, der sich erst bei der Generalprobe zum ersten Mal getraut hatte, sein kleines Solo zu singen, erzählte jedem: Nächstes Jahr, wenn er erst mal selber lesen kann – dann spielt er aber eine richtig große Rolle!

David mit Joab vor der Höhle von En Gedi